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Medizin in MV : Kleine Kliniken auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf immer mehr Kritik stößt die Studie mit Vorschlägen für eine Krankenhaus-Reform in MV

Landespolitiker verschiedener Lager haben zurückhaltend auf Vorschläge der HGC GesundheitsConsult GmbH (Hamburg) für eine Reform der Krankenhauslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern reagiert. „Obwohl das Gutachten den meisten Krankenhäusern in MV eine gute bis sehr gute ökonomische Leistungsfähigkeit bescheinigt, wird darin dennoch geschlussfolgert, dass kleine Häuser aufgrund der Qualitätsanforderungen zunehmend ihre Marktbasis verlieren würden“, sagte die Obfrau der Linken in der Kommission, Karen Stramm, gestern nach der Präsentation der Untersuchung in der Enquetekommission „Älter werden in Mecklenburg-Vorpommern“ des Landtags. „Das ist nicht nachvollziehbar.“

Die Qualität der medizinischen Leistungen sei nicht größenabhängig, behauptete Stramm. Experten sehen das anders. Um eine angemessene Versorgungsqualität zu gewährleisten, gelten bereits heute für sieben besonders komplexe Operationen Mindestfallzahlen, die eine Klinik erreichen muss, um sie durchführen zu dürfen.

Stramm sieht Widersprüche in der HGC-Studie, die einerseits von einer steigenden Nachfrage nach klinischer Behandlung im Land ausgeht und zugleich das Bettenangebot als überhöht ansieht. „Insbesondere in den Altersgruppen der 60- bis 69-Jährigen und der Hochbetagten über 80 Jahre sieht die Expertise zunehmenden Bedarf an stationärer Versorgung“, sagte Stramm. Wenn weiterhin eine wohnortnahe Versorgung gewollt sei, müssten die medizinischen Angebote in den ländlichen Regionen aufrechterhalten und gefördert werden, verlangte sie.

Die CDU-Obfrau in der Kommission, Maika Friemann-Jennert, wies auf die soziale Funktion hin, die Krankenhäuser im ländlichen Raum hätten. Diese könne selbst die effizienteste Neubestimmung der Krankenhauslandschaft nicht ersetzen, sagte sie. Die Versorgungslandschaft dürfe nicht nur auf Marktwirtschaftlichkeit heruntergebrochen werden.

HGC hatte in seiner Studie eine Krankenhauslandschaft in MV mit zwei bis drei Zentren der Hochleistungsmedizin sowie zehn bis 14 Regionalkrankenhäusern mit bis zu 500 Betten vorgeschlagen. Kleinere Krankenhäuser mit derzeit bis zu 150 Betten sollten zu Gemeinde-Gesundheitszentren umfunktioniert werden, die einen umfassenden ambulanten Versorgungsansatz verfolgen. Von den 37 Krankenhäusern im Land haben demnach derzeit 25 weniger als 200 Betten, neun sogar weniger als 100.

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