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Tante-Emma-Läden in MV : Kleine Händler auf dem Rückzug

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

1200 Läden haben in letzten zehn Jahren für immer ihre Kassen geschlossen

Schließtag für Tante-Emma-Läden in MV: Immer mehr Einzelhändler im Nordosten müssen sich dem Druck großer Handelshäuser und Filialgesellschaften beugen und ihre Geschäfte dichtmachen. In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als 1200 Läden vor allem in den Klein- und Mittelzentren des Landes für immer ihre Kassen geschlossen, geht aus einem gestern vorgestellten Branchenreport der Norddeutschen Landesbank (NordLB) hervor.

Zwar hätten die Geschäfte der Einzelhändler weiter zugelegt und seien die Umsätze zwischen 2004 und 2013 von knapp vier auf 4,8 Milliarden Euro gewachsen. Immer größere Märkte am Stadtrand und die zunehmende Konzentration in der Branche haben die Zahl der Geschäfte im gleichen Zeitraum aber um knapp ein Fünftel auf 6388 sinken lassen, stellten die Analysten fest. Die Auswirkungen seien vor allem in Klein- und Mittelzentren immer deutlicher erkennbar. Vielerorts würden Leerstände steigen.

Der Druck steigt vor allem in ländlichen Regionen weiter: Der Internethandel mache dem stationären Einzelhandel die Kunden streitig. Die Analysten rechnen in den kommenden Jahren damit, dass „Geschäftsaufgaben bzw. Leerstände tendenziell zunehmen“, die Attraktivität von Kleinstädten und mittelgroßen Städten sowie die Zahl der Besucher in den Innenstädten und Ortszentren weiter sinken werden, da sie „kein emotionales Einkaufserlebnis mehr bieten“ würden.

Ein Teufelskreis: Größer werdende Angebotsdefizite lassen vor allem Kunden außerhalb großer Städte ins Internet abwandern. In Deutschland nutzen den Angaben zufolge 63 Prozent der Bewohner in Kleinstädten den Online-Handel mindestens einmal pro Monat. Tendenz: in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Der Rat der Analysten: In der Kombination von stationärem Handel und Online-Handel liege eine Lösung für die Weiterentwicklung des bisherigen stationären Einzelhandels. Dazu müssten u. a. gemeinsame lokale Online-Marktplätze eingerichtet werden, die Einzelhändler über alle Sortimente hinweg kooperieren und die Städte und Kommunen beim Aufbau der Online-Plattformen unterstützt werden. Da vor allem kleinere Händler dabei schnell an finanzielle Grenzen stoßen würden, fordern die Branchenexperten den Aufbau von Online-Plattformen durch Finanzhilfen des Bundes und des Landes zu fördern.

Allerdings: Für Händler in ländlichen Regionen in MV bleiben die Aussichten im Internet-Geschäft vorerst begrenzt. Viele stehen auf der Datenautobahn nach wie vor im Stau und können ihre potenziellen Kunden nur schwer erreichen. Auf dem Land stehen nach Branchenangaben lediglich 14,8 Prozent der Haushalte schnelle Internetverbindungen mit Übertragungsraten von 50 Mbit/s zur Verfügung, bundesweit liegt der Schnitt bei 66,4 Prozent.

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