Unterricht auf dem Boot droht das Aus : Klassenzimmer auf unsicherem Kurs

Schwimmendes Klassenzimmer auf der Peene Foto: dapd
Schwimmendes Klassenzimmer auf der Peene Foto: dapd

Mehr als 100 Schulklassen und Jugendgruppen haben seit der Indienststellung des Motorkatamarans "Sila Vega" vor zwei Jahren Schulunterricht an Bord erlebt. Doch jetzt droht dem schwimmenden Klassenzimmer das Aus.

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15. Mai 2012, 09:58 Uhr

Ueckermünde/Stolpe | Fast geräuschlos gleitet der Motorkatamaran aus dem kleinen Hafen Stolpe in die Peene. An Bord sitzen mehr als 30 erwartungsvolle Viert- und Fünftklässler auf kleinen Holzwürfeln, während Kapitän und Umweltpädagoge Sebastian Preuß den 15 Meter langen Schubverband in den träge fließenden Strom steuert. Für die Schüler der Anklamer Evangelischen Schule Peeneburg beginnt auf Mecklenburg-Vorpommerns "Schwimmendem Klassenzimmer" eine Biologiestunde der besonderen Art.

Ein Anker wird geworfen, dann füllen die Jungs an Deck ein 60-Liter-Aquarium mit Flusswasser. Unterdessen lassen Frieder und Rebecca am Heck einen Senkkescher auf den Peenegrund hinab und füttern an. Wenig später zappeln die ersten Fischchen im Netz und werden in das Untersuchungsbecken gesetzt. "Passt ideal", sagt Biologielehrerin Beate Witt. "Wir hatten gerade vergangene Woche in der 4. Klasse die Fische behandelt."

Mit Fischen kennt sich Martin schon gut aus. "Ich geh doch manchmal mit meinem Papa angeln", sagt der Zwölfjährige. Jetzt erklärt er seinen Mitschülern den Unterschied von Rotfeder und Rotauge und welche Fische sowohl im Süßwasser als auch in der salzhaltigen Ostsee leben können. Nebenan zeigt Teamleiter Preuß einer zweiten Gruppe ein schwarz-weißes Instrument zur Messung der Sichttiefe, eine Secchi-Scheibe, benannt nach dem italienischen Jesuitenmönch Angelo Secchi.

Derartige Schulstunden auf dem Fluss seien eine optimale Ergänzung zum Unterricht, schwärmt Klassenleiterin Diana Beyer. Das Angebot der Crew begeistere die Schüler für die Naturwissenschaften und sensibilisiere sie für einen nachhaltigen Umgang mit den geschützten Wasser- und Feuchtbiotopen ihrer Region.

Mehr als 100 Schulklassen und Jugendgruppen haben seit der Indienststellung des Motorkatamarans "Sila Vega" vor zwei Jahren inzwischen Schulunterricht an Bord erlebt. Die Expeditionen führten mehr als 1200 Kinder und Jugendliche über Haff, Oder, Finowkanal, Havel und Mecklenburgische Seenplatte. Auch Feriengäste aus Brandenburg und Hessen nutzten schon das Angebot des Ueckermünder Zentrums für Erlebnispädagogik und Umweltbildung (ZERUM).

Doch der vom Land mit 200 000 Euro geförderte schwimmende Lernort steuert in eine ungewisse Zukunft. Im Juli laufe das Projekt aus, sagt Teamchef Preuß. Inwiefern die außerschulischen Projekttage dann noch über die Region hinaus angeboten werden könnten, sei fraglich. Die Eigeneinnahmen beliefen sich bislang lediglich auf etwa 100 000 Euro. Die Kooperation mit dem Schulämtern sei gut. "Wir brauchen aber jetzt ein klares und verlässliches Bekenntnis des Bildungsministeriums."

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