Mehr Transparenz beim Einkauf : Klarheit auf jeder Verpackung

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Für mehr Transparenz beim Einkauf: Von morgen an gelten für Lebensmittel neue Kennzeichnungsvorschriften

svz.de von
12. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Klebefleisch, verwässerter Fisch, Käse-Imitat und Nano-Technik: Europas Verbraucher haben sich im Vorfeld des 13. Dezembers einige Unappetitlichkeiten anhören müssen. Am Samstag ist damit Schluss, zumindest wenn man den Experten der Brüsseler EU-Institutionen glaubt. Denn dann tritt die neue Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung endgültig in Kraft, die dem Kunden mehr Transparenz und verlässliche Informationen bescheren soll.

„Wir möchten alle wissen, was wir essen“, begründet Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Schritt. So wurde beispielsweise die Schriftgröße für die Hinweise auf den Verpackungen (Mindestens 1,2 Millimeter groß, bei kleineren Verpackungen 0,9 Millimeter) geregelt. Es muss Klarheit geben über Käse-Ersatz oder Pflanzenfett (mit oder ohne Kokos) – Transparenz heißt das große Versprechen, das die Mitgliedstaaten dem Verbraucher gegeben haben. Denn die Kennzeichnungsvorschriften gelten ausnahmslos für jeden der 28 EU-Mitgliedstaaten.

Die großen Gewinner der Reform sind nach Angaben der Europäischen Kommission vor allem Allergiker. Sie müssen künftig schon auf der Verpackung genau über die wichtigsten allergenen Inhaltsstoffe informiert werden – zur besseren Sichtbarkeit notfalls auch fett gedruckt. Manch eher lächerlich wirkender Hinweis darf allerdings bald entfallen. Dass Erdnussflips „Spuren von Erdnüssen“ enthalten, können sich die Hersteller sparen. „Wir wollen einen mündigen Bürger“, heißt es im zuständigen Ausschuss des Europäischen Parlamentes. „Aber wir müssen schon auch darauf achten, dass sich der Verbraucher nicht für dumm verkauft fühlt.“

Experten betonen, dass es viel mehr darum gehe, auf den ersten Blick nicht erkennbare Angaben offenzulegen. So muss ein Fleischprodukt, das mit Hilfe von Enzymen aus verschiedene Reststücken zusammengefügt wurde, deutlich gekennzeichnet werden. Das Gleiche gilt für Fleisch und Fisch, die mit so viel Wasser aufgespritzt wurden, dass die Flüssigkeit mehr als fünf Prozent des Gewichtes ausmacht. Wer Schnitzel, Seelachs oder Rouladen aus der Tiefkühl-Theke holt, wird ab Samstag einem Aufdruck auf dem Etikett entnehmen können, wann die Ware eingefroren wurde.

Alle diese Neuerungen gelten übrigens ausdrücklich auch bei vorverpackten Lebensmitteln, die über das Internet angeboten werden. Hier muss der Käufer schon bei der Bestellung die Pflicht-Daten wie Zutaten, Allergieauslöser und Füllmenge vor dem Kauf per Mausklick abrufen können.

Doch die neue Verordnung bleibt nicht ohne heftige Kritik. Vor allem die Lebensmittelwirtschaft warnt vor unverhältnismäßig hohem Aufwand, wenn auf den Tag genau in zwei Jahren die letzte Stufe der Kennzeichnung von Nahrungsmitteln eingeführt wird. Bisher beziehen sich die Vorschriften nämlich im Wesentlichen auf verpackte Produkte. Dann aber werden auch alle jene erfasst, die in Restaurants, Bäckereien oder Catering-Unternehmen lose oder verarbeitete Ware anbieten. Sie sind dann verpflichtet, jeden Inhaltsstoff für den Kunden verfügbar zu halten – beispielsweise durch Aushänge, im Geschäft ausliegende Tabellen oder auf den Speisekarten. In zwei Jahren soll es für die Lebensmittel darüber hinaus Mini-Steckbriefe geben, die die Nährwerte enthalten. Die Industrie hat noch viel vor sich, damit der Verbraucher über alles Klarheit haben kann.


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