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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 04:39 Uhr

Uni Rostock : Klares Ja zu Ehrendoktor Snowden

vom

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock an den Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden ist für die Philosophen eine klare Sache. Der Rektor der Universität zeigt sich aber skeptisch. Auch in der Politik gibt es krititische Stimmen.

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 17:26 Uhr

Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock will dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Ehrendoktorwürde verleihen - ein politisch umstrittener Schritt.

Den Beschluss fasste der 22-köpfige Fakultätsrat mit der notwendigen Drei-Viertel-Mehrheit, wie der Dekan der Fakultät, Hans-Jürgen von Wensierski, am Mittwoch sagte. Es wäre nach Recherchen der Fakultät das erste Mal, dass Snowden eine solche Würdigung erhält. Mit der Bekanntgabe der Abhörpraktiken des Geheimdienstes NSA habe Snowden die Funktion eines klassischen Aufklärers erfüllt.

Von Seiten der SPD und der CDU gab es am Mittwoch Kritik an der Entscheidung. Der Landesvorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, sprach von einem unangemessen und nicht nachvollziehbaren Schritt. „Herr Snowden hat keine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen für die Universität Rostock oder in der Wissenschaft erbracht, die eine Verleihung rechtfertigen würden.“ Snowden sei kein Held.Die SPD nannte die Aktion eine „falsche Würdigung für einen Aufklärer“. „Snowden hat enorme Zivilcourage bewiesen, aber keine hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen erbracht“, erklärte die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Susann Wippermann. Genau aus diesem Grund habe mutmaßlich auch weltweit keine weitere Universität die Idee verfolgt, Snowden auf diese Art zu würdigen.

Der hochschulpolitische Sprecher der Linksfraktion, Hikmat Al-Sabty, begrüßte dagegen die Entscheidung der Philosophischen Fakultät. „Ich teile die mehrheitliche Einschätzung des Fakultätsrats, wonach Snowden die Funktion eines klassischen Aufklärers erfüllt hat.“  Die Fakultät hatte sieben Gutachten renommierter Sozial- und Geisteswissenschaftler eingeholt. Die letzte Entscheidung liegt nun bei Universitätsrektor Wolfgang Schareck, der bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens noch intervenieren kann. Er zeigte sich am Mittwoch vorbehaltlich weiterer Prüfungen skeptisch. Sollte er das Verfahren stoppen, würde der Fall Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) vorgelegt.

Die Fakultät hat nach von Wensierskis Worten per Brief Kontakt mit Snowden aufgenommen. Die Antwort habe gelautet: „Herr Snowden fühlt sich sehr geehrt durch das Angebot und wäre bereit, diese Ehrung anzunehmen.“ Dies könne in Moskau geschehen, eventuell noch in diesem Sommer - sollte Schareck zustimmen.Von Wensierski sagte, dass Snowden auf den ersten Blick zwar nicht der typische Wissenschaftler sei. Er verwies auch darauf, dass bei Ehrenpromotionen andere Regeln gelten. Es gehe um die wissenschaftliche Leistung im Verbund mit der Persönlichkeit. So habe Snowden mit seiner Leistung wichtige Datenbestände erschlossen. Er sei methodisch kontrolliert mit Daten umgegangen, er habe das Datenmaterial analytisch durchdrungen.

„Für die Wissenschaft ist das eine Sternstunde“, sagte Prodekanin Gesa Mackenthun. „Wissenschaft kann nicht gedeihen in einer Situation der Unfreiheit.“ Die Offenlegung der NSA-Praxis sei ein wichtiges Signal für die Studenten, dass sie weiter in Freiheit arbeiten könnten.

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