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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 16:01 Uhr

Klappern fürs Gesundheitsland

vom

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erstellt am 09.Mär.2012 | 07:10 Uhr

Schwerin | Die Mitgliederliste des gestern ernannten neuen Kuratoriums für Gesundheitswirtschaft liest sich wie das "Who is Who" Mecklenburg-Vorpommerns: Neben Klinikchefs, Hochschulrektoren, Kassenvorständen, Geschäftsführern von Unternehmen, Forschungsverbünden und Verbänden sind gleich sechs Minister in dem Gremium vertreten. Gemeinsam sollen sie Strategien entwickeln, die MV als Gesundheitsland voranbringen.

Und das ist bitter nötig - nicht nur, weil das selbst ernannte Gesundheitsland MV seit der letzten Wahl nicht mal mehr ein namentliches Gesundheitsministerium hat. Zwar ist die Gesundheitswirtschaft im Land in der Tat eine der größten Branchen. Doch die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten rangieren im bundesweiten Vergleich weit hinten, wie unlängst erst wieder die Anbieter häuslicher Krankenpflege beklagten. Abwanderung und da raus resultierender Fachkräftemangel sind die Folge.

Mehr Pflegebedürftige, weniger Pflegekräfte

Dabei wächst in keinen anderen Bundesland die Zahl Pflegebedürftiger so schnell wie in unserem: Nach Zahlen der DAK stieg sie zwischen 2003 und 2009 von 48 817 auf 61 442. Ganz klar eine Folge der demografischen Entwicklung. Denn auch die Zahl der über 75-Jährigen wird sich von 134 000 (2007) auf 270 000 im Jahr 2030 verdoppeln. Parallel dazu wird im gleichen Zeitraum die Zahl der Erwerbsfähigen zwischen 20 und 60 Jahren um 34 Prozent sinken - auf ca. 650 000. Wer soll dann noch Hilfebedürftige betreuen? Und wer versorgt sie medizinisch? Auch vor den Ärzten macht der demografische Wandel schließlich nicht Halt: Jeder fünfte Hausarzt im Land ist 60 Jahre oder älter, steht also kurz vor dem Ruhestand. Bereits jetzt werden durchschnittlich 16 Hausarztpraxen im Land pro Jahr aufgegeben, ohne dass es einen Nachfolger gibt. Über 160 Hausarztstellen sind bereits unbesetzt - weil Arbeits- und Lebensbedingungen im Land für Nachwuchsmediziner einfach nicht attraktiv genug sind. Auch Fachärzte fehlen bereits - was sich für Patienten in weiten Wegen und langen Wartezeiten niederschlägt. Der Grund hier ist häufig, dass ein wirtschaftlicher Praxisbetrieb nicht mehr möglich ist, weil die Einwohner- und damit die Patientenzahlen zu gering sind.

Wer jedoch hier lebt, hat Anspruch auf eine umfassende medizinische Versorgung - und braucht sie mehr als viele andere Bundesbürger. Denn hinter den Sachsen-Anhaltinern haben die Menschen aus unserem Bundesland die geringste Lebenserwartung (Frauen: 81,94 Jahre, Männer: 75,27 Jahre) - weil sie bei den Volkskrankheiten Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, aber auch beim Alkohol- und Zigarettenkonsum unrühmliche Spitzenplätze einnehmen.

"Parlament" regiert am Volk vorbei

All diese Probleme sind bekannt - auch dem Kuratorium Gesundheitswirtschaft. Schließlich arbeitete bereits zwischen 2004 und der Landtagswahl 2011 solch ein Gremium. Als "Gesundheitsparlament" bezeichnet es der alte und neue Kuratoriumsvorsitzende, Prof. Horst Klinkmann. Doch wie wichtig ist diesem Parlament sein Volk?

Bislang strebt das Kuratorium vor allem eine höhere Bruttowertschöpfung im Gesundheitswesen und eine Verdopplung der Exportleistungen an. Beim Blick auf die Außenwirkung kommt offenbar die Gesundheit im eigenen Land viel zu kurz. So fördert das Wirtschaftsministerium mit dem CyberKnife Zentrum in Güstrow ein Unternehmen, dessen Leistungen dem Gros der Landeskinder gar nichts nützen - weil das Zentrum keine Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen hat, wie eine von ihnen, die TK, bestätigte. Solche Fehlentwicklungen zu unterbinden wäre eine echte Aufgabe für das Kuratorium Gesundheitswirtschaft.

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