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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 16:48 Uhr

Kitas gehen die Fachkräfte aus

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2012 | 07:27 Uhr

Schwerin | Der Fachkräftemangel in Mecklenburg-Vorpommern hat die Kindertagesstätten erreicht. Laut Ausbildungsplatzplanung der Landesregierung müssten seit vergangenem Jahr bis 2020 insgesamt 1600 Erzieherinnen eingestellt werden, um den Personalbedarf zu decken. Ein Vorhaben, das nach Einschätzung des Städte- und Gemeindetages im Land unter den derzeitigen Bedingungen scheitern dürfte. "Die Ausbildungskapazitäten sind viel zu gering", kritisiert der Sozialexperte des Spitzenverbands, Thomas Deiters. Schon jetzt müssten vereinzelt Kita- Gruppen schließen, weil zu wenig Fachkräfte da sind.

In die Planung müsse einfließen, dass nicht alle Absolventen anschließend auch in einer Kita in Mecklenburg-Vorpommern arbeiten, so Deiters. Darüber hinaus dauere die Ausbildung immer noch zu lange. Die von der Landesregierung angekündigte zeitliche Reduzierung müsse endlich in die Tat umgesetzt werden. "Auch die Träger sind in der Verantwortung", fügte Deiters hinzu. Sie müssten mehr Vollzeitstellen anbieten, um die Attraktivität des Berufs zu erhöhen.

"Die Personalsituation in den Kitas sieht jetzt schon nicht gut aus", bestätigt Elke Löhr vom Referat Kinder- und Jugendhilfe der Caritas Mecklenburg. Sie gibt allerdings zu bedenken, dass sich die Entgeltverhandlungen der Träger mit finanziell klammen Kommunen zunehmend schwieriger gestalten würden. Beim ohnehin schon bundesweit schlechtesten Personalschlüssel würden Krankheitsfälle und Vertretungen nicht ausreichend berücksichtigt, bemängelt die Expertin. "Der Krankenstand in den Kitas ist jedoch sehr hoch." Das liege zum einen am großen Anteil älterer Kolleginnen, bei denen der anstrengende Beruf im Laufe der Jahre seine gesundheitlichen Spuren hinterlassen habe. Darüber hinaus mache sich auch bemerkbar, dass junge Kolleginnen im Falle einer Schwangerschaft ein sofortiges Beschäftigungsverbot erhielten. "Bei Ausfällen ist die Situation in manchen Einrichtungen bereits prekär", weiß Elke Löhr.

Nach Ansicht von Silvia Sandmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Mecklenburg-Vorpommern brauchen die Träger mehr Unterstützung vom Land. "Es ist insgesamt zu wenig Geld im System", meint die Expertin. Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung für die Fachkräfte in Kitas müssten dringend verbessert werden. Das dürfe allerdings nicht dazu führen, dass die Elternbeiträge steigen, warnt Silvia Sandmann. Sie fordert deshalb eine Begrenzung der Eltern-Beteiligung durch ein anderes Finanzierungssystem.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Mecklenburg-Vorpommern bezweifelt unterdessen, dass der Personalbedarfsplan der Landesregierung der Realität standhält. Pro Jahr würden in der nächsten Zeit 360 bis 400 Fachkräfte im Nordosten gebraucht, so die Rechnung der GEW. Die Linksfraktion hatte deshalb in der vergangenen Woche im Landtag eine neue Bedarfsanalyse gefordert. Die vom Land geplante Verkleinerung der Kita-Gruppen münde geradewegs in einen Personalmangel, so die Befürchtung. Eine Aktualisierung der Planung hatte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) jedoch abgelehnt. Der gegenwärtige Bedarfsplan sei nicht mal ein Jahr alt.

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