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Mecklenburg-Vorpommern

20. September 2017 | 00:28 Uhr

Kindertagesbetreuung : Kitas droht Platzmangel

vom
Aus der Onlineredaktion

Auf die Kindergärten in Mecklenburg-Vorpommern und ganz Ostdeutschland rollt eine Geburtenwelle zu. Den Einrichtungen drohen Engpässe.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Wenn in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Monaten über Kindergärten diskutiert wurde, ging es vor allem um den drohenden Fachkräftemangel bei den Erziehern. Im Juli wurde deshalb ein neues Kita-Gesetz im Galopp durch die Landtagsausschüsse getrieben, um die Erzieherausbildung um eine dreijährige Ausbildung zu erweitern.

Doch nun droht ein weiteres Problem: Die Kitas von Mecklenburg-Vorpommern müssen ab 2020 mit mehr Kindern rechnen als bisher erwartet.

Das Statistische Bundesamt verkündete gerade, dass die Zahl der Kinder unter drei Jahren in der Kindertagesbetreuung um bundesweit 5,7 Prozent gestiegen sind, in Mecklenburg-Vorpommern um etwa zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut der Bertelsmann-Studie „Demographische Rendite adé“ wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter verstärken. Die Wissenschaftler werteten die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der „Milupa-Geburtenliste“ aus. Milupa ist ein Unternehmen für Babynahrung und verfügt über Geburtenzahlen aller deutschen Geburtsstationen der Krankenhäuser aus dem Jahr 2016.

Während es aus dem Sozialministerium MV heißt, dass man sich auf mehr Nachwuchs im Land freue, warnen die Forscher vor Konsequenzen für ostdeutsche Kindergärten. „Die Kinder der sogenannten Babyboomer-Generation bekommen jetzt selbst Nachwuchs. Und diese Welle rollt nun auf die Kindergärten und Schulen zu“, sagt Dirk Zorn, einer der Autoren der Bertelsmann-Studie. In Ostdeutschland wird die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen laut Bertelsmann-Studie bis 2020 um fünf Prozent wachsen. Konkret bedeutet dies: Auch in den Kindergärten hier könnte es eng werden – eine Herausforderung für Kitas und Tagespflegeeinrichtungen.

Kathrin Siegert vom Bildungsministerium MV gibt zu bedenken, dass diese Entwicklung regional äußerst unterschiedlich verlaufen kann, besonders zwischen Stadt und Land. Doch die neuesten Zahlen weisen auf eine allgemeine Entwicklung in Mecklenburg hin.

Etwa in Rostock und dem Landkreis Rostock. Die Stadt befasste sich bereits mit der neuen Entwicklung. Vor zwei Wochen beschloss die Bürgerschaft eine aktualisierte Bedarfsplanung für die Kindertagesbetreuung. Die Prognosen veränderten sich dramatisch. „Hätten wir unseren alten Geburtenzahlen vertraut, hätten wir in diesem Jahr den Höhepunkt bei den Kindergartenkindern überschritten. Doch dieser kommt erst noch. Der höchste Bedarf an Kita-Plätzen entsteht erst ab 2020. Das bedeutet, wir brauchen bis dahin mehr Kita-Plätze statt weniger“, sagt Olaf Gäde vom Amt für Jugend, Soziales und Asyl Rostock. Auch der Landkreis Rostock erwartet einen Kita-kinder-Boom. Dort wird der Kreistag im Oktober auf die neuesten Zahlen reagieren. „Der Trend ist auch bei uns im Landkreis deutlich spürbar. Im Norden des Landkreises rechnen wir mit dem größten Zuwachs. Wir haben jetzt bereits eine Kita-Auslastung zwischen 86 bis 96 Prozent“, erklärt Michael Fengler, Pressereferent des Landkreises Rostock.

In der Landeshauptstadt Schwerin dagegen sind die neuesten Zahlen noch nicht in den Prognosen enthalten. Die Stadt rechnet in ihrer aktuellen Kita-Bedarfsplanung bei den Drei- bis Siebenjährigen mit einer Abnahme bis 2020. Die in der Bertelsmann-Studie genannten fünf Prozent Zuwachs bei den Kindergartenkindern stehen in der Schweriner Kita-Planung einer Abnahme von etwa 0,5 Prozent bis 2020 gegenüber. An einer Fortschreibung werde noch gearbeitet, allerdings ohne konkreten Termin, heißt hinter vorgehaltener Hand aus der Stadtverwaltung Schwerin.

Auch die Kindergarten-Planer der Landkreise Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg rechnen weder mit einem Anstieg noch einer Stabilisierung der Jahrgänge.

Doch nicht jede Kommune und Stadt kann die große demographische Entwicklung im Auge behalten, betont Dirk Zorn von der Bertelsmann-Stiftung. „Damit Kommunen und Kreise Kinderbetreuung und Schulangebote vernünftig planen können, sind sie auf regelmäßig aktualisierte regionale Vorausschätzungen angewiesen. Hier sind die Landesämter in der Pflicht“, sagt Bertelsmann-Autor Dirk Zorn.

Aus dem Bildungsministerium heißt es, dass die Landesregierung derzeit eine regionalisierte Bevölkerungsprognose für Mecklenburg-Vorpommern erarbeite. Für Arp Fittschen vom „Städte- und Gemeindetag MV“ kommt diese reichlich spät: „Das Land hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Seit zwei Jahren melden wir nach oben, dass sich die Geburten anders entwickeln werden als geplant. Doch die Informationen wurden ignoriert. Wenn man mit so alten Zahlen rechnet, ist es kein Wunder, dass Engpässe drohen.“

 

 






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