Kindertagesstättenförderungsgesetz : Kita-Versorgung sorgt für Streit

Gesunde Ernährung in der Schweriner Kita „Rappelkiste“: Die Eltern in der Landeshauptstadt wissen noch nicht, was sie für die Versorgung von Januar an zahlen müssen. Rostock hat schon Zahlen vorgelegt und geht von einer Pauschale von 60 Euro aus.
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Gesunde Ernährung in der Schweriner Kita „Rappelkiste“: Die Eltern in der Landeshauptstadt wissen noch nicht, was sie für die Versorgung von Januar an zahlen müssen. Rostock hat schon Zahlen vorgelegt und geht von einer Pauschale von 60 Euro aus.

Viele Eltern wissen nicht, wie teuer das Essen im nächsten Jahr wird – Gesetz schreibt Beteiligung der Eltern ausdrücklich vor

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11. November 2014, 07:45 Uhr

Zum 1. Januar schreibt das Kindertagesstättenförderungsgesetz vor, dass während der gesamten Betreuungszeit des Kindes eine gesunde und vollwertige Verpflegung gesichert sein muss. Bekannt ist das seit eineinhalb Jahren. Wie bislang müssen die Eltern die Essenskosten allein tragen – im Gegensatz zu den Betreuungskosten, die sich Eltern, Kommune und Land zu je einem Drittel teilen. Nur rechnen die Eltern ab Januar nicht mehr mit dem Essensanbieter ab, sondern mit ihrer Kita. Aber wie viel Geld wird das sein? Und was ist, wenn das Kind gar nicht in der Kita frühstückt oder die Eltern selbst das Lieblingsobst mitgeben wollen?

„Das müssen Kita-Elternrat und Kita-Träger besprechen“, sagt Sozialministerin Brigit Hesse (SPD). Das Gesetz lasse eine so genannte Spitzabrechnung ebenso zu wie eine Pauschale. „Kita-Träger und Jugendamt haben hier Gestaltungsfreiheit. Und die Eltern haben einen Anspruch auf eine transparente und nachvollziehbare Begründung.“ Ihr Abteilungsleiter Gerhard Bley geht noch einen Schritt weiter: „Dass Eltern mitreden wollen, wenn es um ihre Kinder geht, ist doch selbstverständlich. Wir brauchen einen Sinneswandel bei Behörden und Trägern.“ Hesse macht deutlich: „Wo Eltern nicht beteiligt sind, haben wir die meisten Probleme.“

Wie groß diese sind, zeigen Elternvertreter auf. „Wir wissen nicht, was genau in dem Verpflegungsangebot des neuen Caterers enthalten ist“, kritisiert Elternsprecher Patric Ritz aus Wismar. Er befürchte, dass die Qualität des Essens auf der Strecke bleibt. Die Eltern in der Hansestadt seien in die Auswahl des Catering-Unternehmens nicht einbezogen worden, sagt Ritz. Der Zuschlag sei an den billigsten Anbieter mit 3,50 Euro gegangen – zwei Euro unter einem anderen Angebot.

„Eltern müssen in die Entscheidung einbezogen und nicht erst mit Ergebnissen konfrontiert werden“, fordert auch Monty Schädel, Vorsitzender des Kita-Elternrates im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Er kritisiert, dass die Behörden „den Kita-Trägern die Überbringung der Nachricht höherer Beiträge“ überließen.

Die volle Wahlfreiheit der Eltern in der Betreuung und Verpflegung ihrer Kinder fordert der Europa-Abgeordnete Arne Gericke (Familien-Partei). „Der Zwang zur totalen Gemeinschaftsernährung darf nicht zur Anwendung kommen“, so der aus MV stammende Politiker.

In Rostock hat der Jugendhilfeausschuss der Bürgerschaft bereits einer pauschalen Abgabe zugestimmt, die ab Januar wohl alle Eltern zahlen müssen. Die Stadtverwaltung geht zurzeit von rund 60 Euro pro Kind und Monat aus.

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