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Schwerin : Kita-Kinder vom Mittagessen ausgeschlossen

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Der Elternbund in MV schlägt Alarm: In den Kitas werden zunehmend Kinder wegen Zahlungsrückständen von der regulären Essensversorgung ausgeschlossen. Bei dem Problem handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2012 | 10:05 Uhr

Schwerin | Der Elternbund in MV schlägt Alarm: In den Kitas werden zunehmend Kinder wegen Zahlungsrückständen von der regulären Essensversorgung ausgeschlossen, wie der Vorsitzende Christian Feldmann berichtet. Auch Kita-Träger bestätigen, dass es sich bei dem Problem nicht um einen Einzelfall handelt.

"Wir halten das für skandalös", so Feldmann. Kein Kind dürfe im "Kinderland MV" hungern oder durch ein Sonder essen ausgegrenzt werden. So sei dem Elternbund berichtet worden, dass Jungen und Mädchen teilweise mit Resten versorgt oder dass die Eltern zum Selbstkochen angehalten würden.

Ursache sei die Bürokratie bei der Antragstellung auf Kostenübernahme, sagt Feldmann. Darunter würden nicht nur die betroffenen Kinder und Eltern leiden, sondern auch die Essensversorger und die Erzieherinnen, die "quasi das Inkasso" betreiben müssten. Der Elternbund hat sich jetzt deshalb mit einer Petition an den Landtag gewandt, um eine Entbürokratisierung des Verfahrens zu erreichen.

Das bisherige Prozedere: Beim Jugendamt kann ein Antrag auf Stützung der Kita-Elternbeiträge gestellt werden. Wird dieser genehmigt, werden auch die Kosten für Frühstück und Vesper übernommen sowie ein Euro für das Mittagessen. Für die Übernahme der restlichen Kosten muss ein Antrag auf Leistung aus dem Bildungspaket des Bundes gestellt werden. Je nachdem, ob die Antragsteller Hartz-IV-Empfänger oder Bezieher von Wohngeld oder Erziehungsgeld sind, ist entweder das Jobcenter oder das Sozialamt die richtige Adresse. Wer keinen Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungspaket hat, muss sich wiederum an das Jugendamt wenden.

Die Folge: Manche Eltern sind von dem Verfahren überfordert, andere geben wegen langer Bearbeitungszeiten durch Personalmangel in den Ämtern auf. Bernd Tünker, Geschäftsführer des Awo-Landesverbands, fordert deshalb mehr Unterstützung für die Eltern bei der Antragstellung. Auch könne es nicht sein, dass das Problem bei den Kita-Trägern und bei den Erzieherinnen hängen bleibe. Der Elternbund spricht sich daher gleich für eine antragsunabhängige Regelversorgung aller Kitakinder mit Essen aus.

Das Landessozialministerium muss dem Petitionsausschuss nun bis zum 3. Mai Bericht erstatten. Für die Essensversorgung in den Kitas, an der sich das Land finanziell beteiligt, seien allerdings Träger, Kommunen und Eltern verantwortlich, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Hungern müsse aber kein Kind. "Das wäre Kindeswohlgefährdung", so die Sprecherin. Vor Ort würden "pragmatische Lösungen" gesucht.


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