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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 01:33 Uhr

Kirchenruine: Zukunft ist ungewiss

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2012 | 07:58 Uhr

Stavenow | Krisensitzung Mittwoch abend beim Förderverein "Historisches Stavenow": Waren alle Vorarbeiten für eine Bedachung der Kirchenruine umsonst? Legt Reinhard Leber den Vorsitz nieder und löst sich der Verein vielleicht zur Jahreshauptversammlung am 2. März auf?

Um es vorweg zu nehmen - die Bedenken sollten unbegründet sein. Doch was ließ die Emotionen so hoch schlagen? Eigentlich wollte Reinhard Leber die Antragsunterlagen auf EU-Fördermittel gestern komplett zur LAG-Regionalmanagerin nach Pritzwalk bringen, damit sie nach einer letzten Sichtung heute in Neuruppin bei der Prüfbehörde vorliegen. Was fehlt, ist der Nutzungsvertrag zwischen der Gemeinde Karstädt und dem Verein. "Die fehlende Unterschrift von Bürgermeister Udo Staeck können wir nicht nachvollziehen", zeigte sich Vereinsvorsitzender Reinhard Leber fassungslos.

Noch um 12.15 Uhr habe er am Mittwoch mit Staeck telefoniert und die Zusage erhalten, dass er um 13 Uhr den Vertrag abholen könne. "Um 13 Uhr bat mich der Bauamtsleiter zu sich und teilte mir mit, dass der Bürgermeister nicht unterschrieb."

Natürlich sei die Gemeinde Eigentümerin von Kirche und Friedhof (1947 im Rahmen der Bodenreform übertragen) und entscheide letztlich, was dort geschieht und was nicht. Der Kommune seien die Vereinsvorhaben zum Erhalt von Kirchenruine und Nutzung bekannt, meinen Reinhard Leber sowie die Vorstandsmitglieder Okka De Wall, Astrid Voigt und Gerd von Hinckeldey. "Das Dachprojekt zur Sicherung des Kirchenschiffs stellte ich auf der Hauptversammlung im März vor. Es fand breite Zustimmung, auch der Bürgermeister und Karstädts Ortsvorsteher André Lüdemann, die an der Veranstaltung teilnahmen, begrüßten das Vorhaben", erklärte Okka De Wall. Daraufhin hätte sich der Verein einen Architekten zur Erarbeitung einer Genehmigungsplanung gesucht, auch wurden Spendengelder zur Finanzierung des Eigenanteils eingeworben. Die Genehmigungsplanung ist soweit gediehen, dass am 10. Januar der Bauantrag gestellt wurde.

Eine Kostenschätzung beziffert das Gesamtvorhaben mit 84 000 Euro - ohne Förderung für den Verein nicht machbar. Daher die Klärung, dass der Verein berechtigt sei, Fördermittel zu beantragen. Die Finanzierung der 21 000 Euro Eigenmittel steht, eine Hamburgerin überwies allein einen großzügigen Betrag von 15 000 Euro. Das notwendige Holz erhielt der Verein von der Agrargenossenschaft Karstädt: Die 30 Stämme sind bereits zugeschnitten. Laut Absprache vom 8. Dezember tritt der Verein als Antragsteller und Bauherr auf.

Was jedoch bewog den Bürgermeister, die Unterschrift unter dem Nutzungsvertrag auszusetzen? Udo Staeck nannte gegenüber dem "Prignitzer" mehrere Gründe, die ihm beim nochmaligen Lesen ins Auge fielen: Die Nutzung des Gebäudes nach Wiederherstellung des Daches als "Fahrrad- bzw. Autobahnkirche" und Fragen der Sicherheit. "Auf der Vereinsversammlung 2011 war nur von einem Notdach die Rede, eine Nutzung als Kirche erfordert weiteren Aufwand, auch muss die Tragfähigkeit des Fußbodens geprüft werden, da sich an einer Stelle ein Gewölbekeller befindet und es hier seit Jahrzehnten ’reinregnete", erklärt Staeck. Bauunterlagen zum Dach hätten der Gemeinde nicht vorgelegen. "Wir haben nicht vor, eine intakte Kirche zu schaffen", stellt der Vereinsvorstand seinerseits klar.

Staeck räumte ein, dass er die ganze Sache "zu leicht" gesehen habe und einiges seitens Verein und Verwaltung nicht koordiniert genug verlief. Auch fehle bisher eine Grundsatzentscheidung, was mit der Kirchenruine perspektivisch passieren soll. "Das wird jetzt nachgeholt. Ortsbeirat und Abgeordnete erhalten in den nächsten Tagen die entsprechenden Unterlagen", kündigte der Bürgermeister an. Staeck würde es gern sehen, wenn der Verein die Ruine für einen Euro übernimmt und die Gemeinde damit alle Sicherungs- und Haftungsfragen los wird. 2005 investierte sie zirka 161 000 Euro an Förder- und Eigenmitteln, nach den Sturmschäden vor zwei Jahren nochmals 12 000 Euro. Einen Erwerb der Ruine mit den damit verbundenen Kosten und Aufwendungen könne der Verein allerdings nicht stemmen, macht der Vorstand deutlich.

Reinhard Leber gab gestern die Antragsunterlagen auf Fördermittel in Pritzwalk ab - erst einmal ohne Nutzungsvertrag. Der wird jetzt im Ortsbeirat, Bau- und Ordnungsausschuss sowie in der Gemeindevertretung beraten, die auch einen Grundsatzbeschluss zur Kirchenruine fassen wird.


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