Landgericht Schwerin : Kindstötung in Wittenburg - Sechs Jahre Haft für Mutter gefordert

Die Angeklagte im Landgericht Schwerin
Die Angeklagte im Landgericht Schwerin

Vor knapp einem Jahr fanden Spaziergänger in einem Wald bei Wittenburg die tiefgefrorene Leiche eines Babys. Das Kind war schon Anfang 2015 auf die Welt gekommen, hatte aber nicht lange überlebt. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Mutter Haft wegen Totschlags.

svz.de von
17. Januar 2018, 08:17 Uhr

Im Prozess um den Tod eines Neugeborenen in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat die Staatsanwaltschaft für die Mutter sechs Jahre Gefängnis wegen Totschlags gefordert. Die Anklage sah es am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht in Schwerin als erwiesen an, dass die 40 Jahre alte Frau das Mädchen bei sich zu Hause unmittelbar nach der Geburt im Januar 2015 tötete. Der Verteidiger beantragte Freispruch, da ein natürlicher Tod des Babys nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden könne.

Die Mutter hatte den Ermittlungen zufolge den Leichnam mehr als zwei Jahre in einem Gefrierschrank aufbewahrt. Im März 2017 wurde die in einem Plastikbeutel verstaute Kindsleiche in einem Waldstück bei Wittenburg gefunden, nachdem sie ein Bekannter der Frau dort abgelegt hatte. Das Urteil des Gerichts soll am Freitag verkündet werden.

Die Angeklagte hatte während des Prozesses eingeräumt, dass sie die Schwangerschaft nicht gewollt und verheimlicht habe. Sie habe das Kind bekommen und danach bei einer Babyklappe abgeben wollen. Den Vorwurf, das Kind getötet zu haben, stritt die Frau ab. Ihren Schilderungen zufolge hatte sie das Kind auf einer Bettdecke auf dem Küchenboden zur Welt gebracht, danach aber rund eine Stunde lang nichts mitbekommen, weil ihr schwindelig war oder sie gar in Ohnmacht fiel. Danach sei das Kind tot gewesen. Weil sie sich nicht von dem Mädchen habe trennen können, habe sie dessen Leiche in Plastiktüten verpackt und in den Tierkühlschrank gelegt.

Die Staatsanwaltschaft verwies in ihrem Plädoyer darauf, dass laut Obduktionsergebnis das Baby gesund und lebensfähig gewesen ist. Es gebe keine Hinweise, dass es „ohne äußeres Zutun“ starb. Die Anklage hielt es für erwiesen, dass die Mutter die Bettdecke über das Neugeborene legte und das Kind so erstickte. Wahrscheinlich habe sie damit verhindern wollen, dass das Baby schreit und den im Nachbarzimmer schlafenden Vater weckt. Auch vor diesem habe die Frau die Schwangerschaft verborgen gehalten. Das Paar führte eine Fernbeziehung und sah sich nur in größeren Abständen. Zudem habe die Angeklagte auch nichts für ein Weiterleben des Mädchens vorbereitet gehabt, betonte die Staatsanwaltschaft.

Der Verteidiger argumentierte, die Todesursache habe nicht zweifelsfrei geklärt werden können. Somit sei ein „natürlicher“ Tod nicht vollkommen auszuschließen. Für den Fall, dass das Gericht die Angeklagte dennoch schuldig spreche, forderte er, das Strafmaß auf unter drei Jahren festzusetzen.

Spaziergänger hatten die tiefgefrorene Leiche des Babys Anfang März 2017 in einem Waldstück in Wittenburg gefunden. Auf der Suche nach der Mutter forderte die Polizei unter anderem 1700 Frauen aus der Region zur Abgabe einer Speichelprobe für einen DNA-Abgleich auf. Die Angeklagte nahm daran nicht teil. Durch andere Spuren konnte jedoch im Juli 2017 der Vater des Babys ermittelt werden, von dem sich die Angeklagte längst getrennt hatte. Er erfuhr erst durch die Polizei, dass er ein Kind hatte, das bereits tot war.

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