Urteil : Kindesmissbrauch Schwerin: Tat ist „Supergau für die Familie“

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Elfjähriger in Schwerin missbraucht: Landgericht verurteilt Vergewaltiger zu knapp fünf Jahren Haft.

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28. Juni 2017, 13:56 Uhr

Der Vorsitzende Richter Armin Lessel nannte die Tat einen „Supergau für die betroffene Familie“. Denn vor diesem „wahllosen Weggreifen eines Kindes von der Straße“ könne sich niemand vollkommen schützen. Eltern können ihr Kind oft und eindringlich zur Vorsicht gegenüber Fremden ermahnen. Aber sie können kaum damit rechnen, dass sich ein Täter gegenüber dem arglosen Kind als Polizist ausgibt.

Das Landgericht Schwerin legte am Mittwoch einem 41-jährigen Altenpfleger auch schwer zur Last, dass durch sein Verbrechen die Öffentlichkeit aus Furcht vor weiteren Taten erheblich verunsichert wurde.  Wegen Vergewaltigung, Kindesmissbrauchs und Amtsanmaßung verurteilte es ihn zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis. 

Der Angeklagte hatte Mitte Dezember 2015 einen elfjährigen Jungen morgens auf dessen Schulweg angesprochen und ihm einen falschen Polizeiausweis gezeigt. Er forderte ihn auf, zu einer angeblichen Drogenkontrolle mitzukommmen, und führte den Jungen über eine längere Wegstrecke zu einem Spielplatz in der Nähe des Schweriner Sees, wo er ihn mehrfach missbrauchte. Danach drohte der Täter dem Jungen, ihn zu töten,  falls er zur Polizei gehen sollte.

Der unscheinbar wirkende Angeklagte nahm das Urteil ohne äußere Regung hin. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Kindes war die Öffentlichkeit von weiten Teilen des Prozesses ausgeschlossen worden. Der Angeklagte hatte die Tat gestanden und so dem Jungen erspart, erneut vor Gericht aussagen zu müssen. Der Familie zahlte er bereits 5000 Euro Schmerzensgeld.

Eine Psychiaterin beurteilte den Angeklagten als voll schuldfähig. Er sei nicht pädophil, aber er sei „wahllos“ in der Wahl seiner Sexualpartner und lebe seine Sexualität teilweise „hemmungslos“ aus. Die Tat bezeichnete sie als „planvoll“ und „rigoros“ ausgeführt. Der Angeklagte hatte der Ärztin auch berichtet, dass er viele Nachtschichten übernahm und tagsüber schlief, nachdem über den Fall in einer Fernsehsendung berichtet worden war. So wollte er das Risiko senken, in der Stadt erkannt zu werden.

Ausdrücklich dankte Richter Lessel den Ermittlern für deren  akribische und hartnäckige Arbeit.  Die Fahndung nach dem Täter war zunächst  im Sande verlaufen, obwohl am Tatort DNA-Spuren des Täters an drei Zigarettenkippen und einem Kaugummi sichergestellt werden konnten. Der Täter war nicht vorbestraft und in keiner Datenbank registriert. Auch die Auswertung der in den umliegenden Funkzellen registrierten Handys – es waren mehrere Tausend – brachte die Ermittler nicht weiter. Elf Monate nach der Tat jedoch erkannte der Junge seinen Peiniger im Schweriner Stadtgebiet. Eine erneute Funkzellen-Auswertung und ein Abgleich mit jener vom Tattag grenzte die Zahl der Verdächtigen ein. Die Polizei fing an, diese Männer zum DNA-Test zu bitten. Der Täter war einer ersten, der der Aufforderung freiwillig folgte. Im Januar 2017 wurde er festgenommen.

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