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Landgericht Schwerin : Kindesmissbrauch: Fünf Jahre und neun Monate Haft

vom

37-jähriger Mann aus Wismar gesteht Missbrauch von Tochter und Stiefsohn.

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 19:26 Uhr

Während einige Zuschauer im Gerichtssaal 11 des Schweriner Landgerichts Tränen in den Augen hatten, nahm der Angeklagte sein Urteil äußerlich ruhig entgegen. Die Richter verurteilten einen 37-jährigen Mann aus Wismar am Donnerstag wegen schwerem sexuellen Missbrauch seiner Tochter und seines Stiefsohns in 23 Fällen zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis. Sie verhängten damit genau das Strafmaß, das die Staatsanwältin gefordert hatte.

Auch wenn er die Strafe verbüßt haben wird, so der Vorsitzende Richter Armin Lessel, wird er damit leben müssen, dass andere Menschen sich von ihm abwenden, wenn sie erfahren, was er getan hat. Denn ein großer Anteil der Bevölkerung empfinde für diese Art von Straftaten besonders viel Abscheu. Die Verteidigerin hatte fünf Jahre und drei Monate Gefängnis für ausreichend angesehen.

Das Urteil hätte höher ausfallen können. Allerdings hatte der Angeklagte gestanden, was ihm vorgeworfen wurde. So ersparte er den Kindern, vor Gericht als Zeugen aussagen zu müssen – weswegen das Gericht die Strafe milderte. Vor dem Urteil hatte der Angeklagte sich noch einmal für seine Taten entschuldigt. Allerdings hatte das Gericht Zweifel, dass er sie auch wirklich bereut. Er hatte gestanden, sich zwischen Herbst 2014 und dem Frühjahr 2016 an seinen Kindern vergangen zu haben. Seine Tochter war anfangs sechs und sein Stiefsohn, der bei ihm aufgewachsen war, acht Jahre alt. Das Gericht hatte jedoch keinen Grund anzunehmen, dass er bei seinen Taten Gewalt anwandte oder den Kindern drohte.

Es habe mit Kuscheln zwischen Kindern und Vater angefangen und sich „hochgeschaukelt“ zu dem, „was in der Anklage steht“, sagte der Angeklagte. Dieser einzige von ihm präsentierte Versuch einer Erklärung stieß bei der Anwältin der Mutter der Kinder, die als Nebenklägerin am Prozess teilnahm, auf wenig Verständnis. Er unterstelle damit den Kindern, sie hätten seine Taten ausgelöst, schiebe ihnen quasi eine Mitschuld zu, so die Juristin.

Der Mann wurde übergriffig, wenn das Mädchen und der Junge ihn an den Wochenenden besuchten, wie es mit seiner Ehefrau vereinbart war. Das Paar lebte seit 2012 getrennt. Der Angeklagte gab zu, in einigen Fällen von den Missbrauchs-Situationen Fotos gemacht zu haben. Einen Grund dafür konnte er nicht nennen. Die Ermittler fanden aber keine Hinweise,  dass er Kinderpornos gesammelt oder im Internet getauscht hat.

Die Ehefrau des Angeklagten hat inzwischen die Scheidung eingereicht. Sie ist immer noch verzweifelt darüber, dass die Kinder sich nichts haben anmerken lassen und ihr nichts davon erzählten, was der Vater mit ihnen tat. Der Mann fiel erst auf, als er der zwölfjährigen Tochter einer Internet-Bekanntschaft auf Facebook obszöne Fotos von sich schickte. Die Mutter des Mädchens erstattete Anzeige. Bei einer Hausdurchsuchung beim Angeklagten wurden auf seinem Smartphone auch die verfänglichen Fotos mit seinen Kindern gefunden. Im April 2016 wurde er verhaftet.

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