Aus dem Schweriner Landgericht : Kindesmissbrauch: Fast drei Jahre Haft

Der Angeklagte verging sich mindestens viermal an dem Kind. Er meldetet den Missbrauch selber dem Jugendamt.
Der Angeklagte verging sich mindestens viermal an dem Kind. Er meldetet den Missbrauch selber dem Jugendamt.

Ein 30-Jähriger aus Parchim vergeht sich mindestens viermal an seinem siebenjährigen Stiefsohn und bekommt dafür vom Schweriner Landgericht zwei Jahre und neun Monate.

svz.de von
02. März 2016, 21:00 Uhr

Das Schweriner Landgericht hat einen 30-jährigen Mann aus Parchim zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte seinen sieben Jahre alten Stiefsohn mindestens viermal sexuell missbraucht. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre, der Verteidiger zwei Jahre und sechs Monate beantragt. Statt ins Gefängnis kommt der Mann jedoch in eine geschlossene psychiatrische Anstalt.

Eine Gutachterin bescheinigte dem Angeklagten, höchstens die geistige Reife eines zwölfjährigen Kindes zu haben. Die Richter stuften ihn als vermindert schuldfähig ein, da er kaum in der Lage ist zu erkennen, dass seine Taten Unrecht sind. Wie lange er in der geschlossenen Anstalt bleibt ist ungewiss, zumal laut Gericht das Rückfallrisiko bei dem 30-jährigen als recht hoch eingeschätzt werden muss. Bereits als Jugendlicher war er mit zwei Gleichaltrigen durch sexuelle Übergriffe auf Kinder auffällig und zu einer Jugendstrafe verurteilt worden.

Vor gut einem Jahr war der Sohn der Ehefrau des Angeklagten das Opfer. Der Junge lebte allerdings bei den Schwiegereltern des Angeklagten, da die Ehefrau laut Jugendamt nicht in der Lage ist, das Kind zu erziehen. Der Junge kam jedoch regelmäßig, um seine Mutter und den Angeklagten zu besuchen. Im Februar 2014 kam es in deren Wohnung zu den Übergriffen. Die Initiative zu der verfänglichen körperlichen Nähe sei von dem Siebenjährigen ausgegangen, behauptete der Angeklagte. Er habe dem Kind in keiner Weise gedroht. An der Strafbarkeit ändert das jedoch nichts. Am Tag nach den Vorfällen meldete der Angeklagte den Missbrauch selbst ans Jugendamt, denn er unterstellte, dem Kind habe jemand anderes die sexuellen Praktiken beigebracht. Er wollte, dass das Jugendamt einschreitet. Der 30-Jährige verstand offenbar nicht, dass er sich selbst damit der Strafverfolgung aussetzte.

Wie viel seine Frau von dem Missbrauch mitbekam, der in der Ein-Zimmer-Wohnung stattfand, wollte der Angeklagte nicht sagen. Allerdings geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie etwas wusste und hat wegen unterlassener Hilfeleistung gegen sie ermittelt. Einer Sozialarbeiterin, die als Zeugin gehört wurde, berichtete die Frau später, sie sei nicht auf ihren Mann, sondern auf den Jungen eifersüchtig gewesen, weil der Junge in ihren Augen eine größere Nähe zum Stiefvater entwickelte als zu ihr. Der Junge lebt inzwischen bei einer neuen Pflegefamilie.

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