Brauchtümer aus MV : Kinderfest immaterielles Kulturerbe

Tonnenabschlagen in Barth
Tonnenabschlagen in Barth

Brauchtümer aus Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet: Barther Fest und Tonnenabschlagen

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30. Mai 2017, 05:00 Uhr

Zwei Brauchtümer aus Mecklenburg-Vorpommern, das Barther Kinderfest und das Tonnenabschlagen, sind als immaterielles Kulturerbe in Deutschland ausgezeichnet worden. Die Deutsche Unesco-Kommission, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Martina Münch (SPD), überreichten gestern Abend in Berlin Urkunden an Vertreter von insgesamt 34 Bräuchen, darunter das Märchenerzählen, das Hebammenwesen und das Skatspielen.

Zu den 34 Bräuchen, die in die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden, zählen auch der Poetry Slam, die Flussfischerei an der Siegmündung in den Rhein, die Posaunenchöre und die Ostfriesische Teekultur. Insgesamt umfasst das deutsche Register des immateriellen Kulturerbes jetzt 68 Einträge. Zwei Initiativen, die Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur und die Erforschung von Flur- und Hausnamen in Bayern, wurden für die Aufnahme in das Register „Guter Praxisbeispiele“ ausgezeichnet.

Das Barther Kinderfest ist das älteste Kinderfest im Nordosten. Es wurde im vergangenen Jahr zum 188. Mal gefeiert. Im Rahmen dieses Kinderschützenfestes wird mit Armbrust und Taube ein Kinderkönigspaar ermittelt, das den Titel für ein Jahr behält. Als Sonderpreis fliegt der Bürgermeister mit dem Königspaar über die Stadt. Im Jahr 1828 feierte der Kantor und Lehrer Wilhelm Müller mit seiner Knabenklasse ein Kinderfest, bei dem durch Armbrustschießen ein Kinderfestkönig ermittelt wurde. Mädchen dürfen seit 1867 teilnehmen. Seit 1991 wird das Fest vom Barther Heimatverein organisiert.

Das Tonnenabschlagen ist ein alter Volksbrauch, der vornehmlich in Ostseenähe seit mehreren Jahrhunderten gelebt wird. Bei dem Reiterwettkampf versuchen die Teilnehmer, mit einem Holzknüppel im Galopp durch die Bahn zu reiten und nach einer geschmückten hölzernen Tonne zu schlagen.

Der Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf, betonte am Montag, immaterielles Kulturerbe präge Identitäten, stärke den sozialen Zusammenhalt und fördere den Dialog zwischen gesellschaftlichen Gruppen. „Es ist Quelle von Kreativität und Innovation und trägt zu gesellschaftlichem Wandel bei.“

Zum immateriellen Kulturerbe der Unesco zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die UN-Kulturorganisation den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt solcher Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Auf der internationalen Liste stehen mehr als 400 Eintragungen aus aller Welt, darunter die indische Yoga-Lehre, die belgische Bierkultur und die Genossenschaftsidee.

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