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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 23:45 Uhr

Statistik : Kinderarmut in MV gesunken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch wenn Quote sank, bleibt die Armutsgefährdung im Bundesvergleich hoch

Die Kinderarmut in Mecklenburg-Vorpommern ist spürbar gesunken, liegt aber dennoch weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Wie das Sozialministerium gestern unter Hinweis auf Erhebungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mitteilte, waren im Jahr 2014 noch 26,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren von Armut betroffen. Das heißt, sie lebten in Familien, deren Nettoeinkommen 60 Prozent des deutschen Durchschnittswerts nicht überschritt. Für eine Familie mit zwei Kindern lag die Armutsgrenze laut Stiftung bei knapp 2000 Euro.

Wie aus der umfangreichen Statistik weiter hervorgeht, hatte die Armutsgefährdungsquote im Nordosten 2013 noch bei 33,2 Prozent gelegen. Das war nach Bremen der zweithöchste Wert aller 39 untersuchten Regionen.

2014 lag Mecklenburg-Vorpommern fast gleichauf mit Berlin und dem Großraum Leipzig vor Sachsen-Anhalt und Bremen, das weiter Schlusslicht war. Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor. In Deutschland waren 2014 laut Statistik 19 Prozent der Kinder von Armut betroffen. Für Ostdeutschland wurde eine Durchschnittsquote von 24,6 Prozent ermittelt.

Die bundesweit niedrigsten Werte wurden für die bayerischen Regierungsbezirke Oberbayern (9,1 Prozent) und Oberpfalz (9,6 Prozent) registriert.

Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) äußerte sich erfreut über die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern, zu der mehrere Faktoren beigetragen hätten. „Vor allem der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt hat sich auf die Armutsgefährdung ausgewirkt. Kinder, die von Armut gefährdet sind, profitieren davon, wenn ihre Eltern wieder Arbeit finden“, erklärte Hesse. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und Hartz IV-Empfänger sei deutlich gesunken. „Auch davon profitieren natürlich die Kinder“, sagte Hesse.

Durch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2015 erwarte sie einen weiteren Rückgang des Armutsrisikos. Das Land stocke zudem seine Mittel für die frühkindliche Förderung auf und sorge auch damit für Entlastung der Familien. Seit 2004 seien die Aufwendungen von 81 Millionen auf über 200 Millionen Euro aufgestockt worden, teilte Hesse mit.

Auch die oppositionelle Linke nannte den Trend erfreulich, forderte die Sozialministerin aber gleichzeitig auf, eine landeseigene Statistik zur Kinderarmut zu erheben. Nur so können passgenaue Strategien entwickelt werden. „Egal, wie die Ministerin es dreht und wendet – trotz Absinkens der Armutsquote rangiert Mecklenburg- Vorpommern bundesweit bei der Kinderarmut ganz oben“, begründete Jacqueline Bernhardt von der Linksfraktion im Landtag ihre Forderung. Jedes Kind, das in Armut aufwachsen müsse, sei eines zu viel. 

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