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Streikende weiter offen : Kinder vor verschlossenen Türen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Schwerin bleiben 15 von 17 kommunalen Kitas heute geschlossen. Die Eltern sind vorbereitet.

Der als unbefristet angekündigte Streik in den kommunalen Kindertagesstätten geht bundesweit in die zweite Woche. Tausende Erzieher legten in den vergangenen Tagen bereits ihre Arbeit nieder. Heute trifft es auch Schwerin mit voller Wucht, nachdem bereits in der vergangenen Woche punktuell gestreikt wurde. Von den 17 Krippen und Kindergärten der Kita gGmbh werden 15 geschlossen bleiben. Bekanntgegeben wurde das bereits am Montag. Offenbar für die meisten Eltern früh genug, um Alternativen zu finden. Wir wollten von ihnen erfahren, wo ihre Kinder heute untergebracht sind.

„Ich bin sehr froh, dass es nur ein Tag ist“, erklärte Patrick Jaeke gestern vor der Märchenkita Krebsförden. „Sollten die Kitas auch hier unbefristet streiken, bekommen wir Eltern echte Probleme.“ Seine fünfjährige Tochter kann heute zu Hause bleiben. Denn der 39-Jährige arbeitet als Bäcker auf einem
Biohof in der Nähe und muss erst um 15 Uhr mit der Arbeit beginnen. „Bis Mitternacht bereite ich alle Lieferungen vor. Daher habe ich berufsuntypische Zeiten.“ Bis zum Nachmittag kann er sich also um seine Kleine kümmern. Seine Frau ist Verwaltungs-fachangestellte und übernimmt zum Feierabend. „Wir haben noch Glück im Unglück“, gibt der 39-Jährige zu.

Er ist davon überzeugt, dass Erzieher besser bezahlt werden müssen. Dass am Ende er als Elternteil dafür mit höheren Kita-Gebühren zur Kasse gebeten wird, ist ihm bewusst. „Wir müssen wohl oder übel draufzahlen, auch wenn es finanziell weh tut...“

Auch eine 35-jährige Bürokauffrau, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte, äußerte sich gestern vor der Kita. „Wir haben rechtzeitig Bescheid bekommen“, erklärt sie, „aber es sollte dann auch eine Notbetreuung geben. Schließlich kann nicht jeder sein Kind zur Oma bringen.“

Die Märchenkita streikt heute zum zweiten Mal ganztägig. Die Schwerinerin kann ihre ebenfalls fünfjährige Tochter zum Glück bei den Großeltern lassen. „Die Organisation ist allerdings nicht immer leicht“, sagt sie.

Nur ein paar Kilometer weiter Richtung Innenstadt brachte Anna Palaguta ihren Sohn in die Kita Haus Sonnenschein auf dem Großen Dreesch. Auch die 23-Jährige findet den Job des Erziehers wichtig. „Schließlich übernehmen sie den ganzen Tag lang die Verantwortung für circa 30 Kinder“, gibt sie sich verständnisvoll. Schade fände sie aber, dass der Tarifkonflikt auf den Schultern der Eltern ausgetragen würde. „Unsere Kita hat schon mehrfach gestreikt, aber meist nur den halben Tag. Nun ist es das zweite Mal ganztägig.“ Prob-leme wirft der heutige Tag für die junge Mutter trotzdem nicht auf. Ihr Partner hatte schon lange Urlaub eingeplant. „Purer Zufall“, erklärt die 23-jährige Servicekraft. Sonst hätte sie nicht gewusst wohin mit ihrem Sohn Elias. Denn mit zur Arbeit könne sie den Vierjährigen definitiv nicht nehmen.

Auch sie wäre bereit, mehr für die Unterbringung in der Kita zu bezahlen. „Es müsste aber eine Möglichkeit gefunden werden, finanziell schwache Familien zu unterstützen“, erklärte Anna Palaguta. Da Elias noch drei Jahre vor sich hat – er wird erst mit 7 Jahren eingeschult – hofft sie auf eine schnelle Lösung im Streit. „Wenn gestreikt wird, sind wir Eltern auf uns allein gestellt.“ Dass sie trotz Ausfall für den heutigen Tag die Kita-Gebühr zahlen muss, stört sie nicht. Nur, „dass auch die Verpflegungspauschale von knapp vier Euro gezahlt werden muss, obwohl ich meinen Kleinen selbst versorge.“ Das fände sie verwirrend. Auf den heutigen Tag sind Anna Palaguta und die anderen Eltern der streikenden Kitas noch gut vorbereitet. Doch wie es angesichts des auch hier drohenden unbefristeten Streiks weitergeht, wissen sie nicht.

Die Gewerkschaften Verdi und GEW wollen durch eine höhere Eingruppierung mehr Anerkennung für Erziehungs-berufe erreichen. Für die bundesweit 240 000 Beschäftigten würde das eine Anhebung der Gehälter um etwa 10 Prozent bedeuten.

 

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