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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 18:01 Uhr

Tourismus : Kinder in Hotels unerwünscht?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nischenhotels liegen in MV im Trend. Ausschluss von jungen Gästen wird teilweise kritisch bewertet

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Tausende Seen, kilometerlange Sandstrände und die Ostseeküste. Mecklenburg-Vorpommern ist für viele Familien das perfekte Reiseland. Auch die Tourismusbranche setzte auf Eltern mit Kind. Mit speziellen Familienangeboten lockt sie ins Land. Doch ist damit bald Schluss? Deutschlandweit gibt es inzwischen Hotels, in denen Kinder unter 16 Jahren nicht einchecken dürfen. Ein Trend, der sich auch in MV abzeichnet?

„Ich sehe derzeit keine Entwicklung zu kinderfreien Hotels im Land “, sagt Tobias Woitendorf, Sprecher vom Landestourismusverband. Stattdessen nehme ein Trend zur Spezialisierung zu. Während sich viele Hotels nach wie vor auf Familien ausrichten, würden andere spezielle Angebote für Paare bereithalten. Und das sei auch gut so.

„Wenn ich Döner, Pizza, Currywurst und gutbürgerliche Küche zusammen anbiete, wird das nichts. Besser ist, ich konzentriere mich auf eins“, verdeutlicht Woitendorf.

Der Familienvater kann durchaus verstehen, dass es Gäste gibt, die sich auf der Suche nach Ruhe und Erholung für ein kinderfreies Hotel entscheiden. „Das heißt ja nicht, dass diese Häuser kinderfeindlich und boshaft sind. Und es kommt darauf an, wie so etwas beworben wird.“

Auch für Matthias Dettmann, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes MV, sind solche Adults-only-Hotels legitim. „Ich denke, dass jedes Unternehmen das Recht hat, sich zielgruppenspezifisch auszurichten“, sagt er. Während das Land vor allem in der Hauptsaison von Familien bereist wird, profitiert es laut Dettman gerade in der Vor- und Nachsaison von „Best-Agern“.

Das Strandhotel Dünenmeer in Dierhagen setzt bereits seit 2010 auf „Ruhe suchende erwachsene Gäste.“ In den Spa-Bereich mit Schwimmbad darf man erst ab 16, ins Restaurant ab 12 Jahren.

Wer mit Kind reist, wohnt im Schwesterhotel, dem Strandhotel Fischland, in unmittelbarer Nachbarschaft oder in einer der dazugehörigen Ferienwohnungen. Hier gibt es Angebote für Familien wie eine Kinderbetreuung oder ein Kinderbuffet. Für die Aufteilung hat man sich bewusst entschieden: „So können wir noch besser die Wünsche unserer Gäste erfüllen. Jeder findet genau das, was er sucht – damit sind alle glücklich“, erläutert Generaldirektorin Isolde Heinz.

Probleme habe es deshalb noch nicht gegeben. Ganz im Gegenteil. „Es kommt auch immer wieder vor, dass größere Familien die verschiedenen Möglichkeiten ganz bewusst nutzen: Eltern mit Kindern wohnen im Strandhotel Fischland, mitreisende Freunde oder Großeltern im Strandhotel Dünenmeer“, erzählt Heinz.

Der Deutsche Kinderschutzbund bewertet indes eine Ausrichtung nur auf Erwachsene als kritisch: „Was vermitteln wir unseren Kindern, wenn sie in manche Hotels nicht reindürfen“, fragt Carsten Spies, Geschäftsführer vom Landesverband. Für ihn wäre eine andere Lösung besser: „Statt Ausschluss, sollten alle Gruppen gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen!“ Kindern könne man richtiges Verhalten in öffentlichen Einrichtungen beibringen. Das sei sogar wichtig. „Wir unterstützen in jedem Fall Hotels, die alle gleichermaßen berücksichtigen und sich für Familien öffnen“, bekräftigt Spies.

Auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hält Hotelangebote mit einem Mindestalter für problematisch. Eine solche Regelung könnte gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen. Ein möglicher höherer Lärmpegel reiche nicht unbedingt aus, um pauschal allen Kindern unter einem bestimmten Alter den Hotelbesuch zu verweigern.

Angemessener wäre es, Kinder des Hotels zu verweisen, wenn sie stören. Als problematisch stuft die Stelle ein, dass wegen des Mindestalters zwangsläufig auch die Eltern der Kinder, die das Hotel als Familie besuchen wollten, benachteiligt würden.

In MV sind Hotels für Erwachsene vor allem schwierig, weil so von vornhinein die größte Zielgruppe ausgeschlossen wird: „Wir sind schon ein klassisches Familienreiseland“, betont Tobias Woitendorf vom Tourismusverband MV.

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