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Neues Sozialpädiatrisches Zentrum : Kinder fördern und kurze Wege für Eltern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Drittes Sozialpädiatrisches Zentrum in MV hat Arbeit aufgenommen

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Chronisch kranke Kinder und Jugendliche sowie Mädchen und Jungen mit einem erhöhten Förderbedarf können jetzt in Mecklenburg-Vorpommern besser betreut werden. An der Rostocker Universitäts-Kinderklinik hat in diesem Monat ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) seine Arbeit aufgenommen. Eltern aus der Mitte des Landes und natürlich auch aus Rostock selbst, wo pro Jahr immerhin mehr als 3000 Kinder zur Welt kommen, bleiben damit weite Wege nach Schwerin oder Greifswald erspart. Nur an diesen beiden Standorten in MV arbeiteten nämlich bisher derartige Zentren.

Dabei machen allein die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen deutlich, wie groß der Hilfe- und Beratungsbedarf hierzulande ist: Mehr als jedes fünfte Kind, das zur Schule kommt (22,5 Prozent), ist nach Angaben der Barmer GEK in seiner Sprachentwicklung verzögert. 14,3 Prozent der Schulanfänger haben Defizite auf motorischem Gebiet, 12,5 Prozent im Bereich emotional-sozialer Kompetenzen.

„Sozialpädiatrische Zentren sind Anlaufstellen für Eltern, deren Kinder entwicklungsverzögert, auffällig, behindert, von einer Behinderung bedroht oder chronisch krank sind“, zählt Dr. Heike Haase auf. Sie leitet, nach mehreren Jahren an der Spitze des SPZ in Schwerin, nun das in Rostock.

Neben Defiziten auch Ressourcen aufgespürt

Einen nicht geringen Anteil der betreuten Kinder machten ehemalige Frühchen aus – nach dem letzten Kinder- und Jugendgesundheitsbericht für Mecklenburg-Vorpommern sind das immerhin acht Prozent aller Neugeborenen. Gerade sie aber kämen häufig zu spät in eine Behandlung, wenn es in erreichbarer Nähe kein SPZ gebe, betont Dr. Heike Haase. „Je früher aber eine Therapie beginnt, desto erfolgreicher ist sie.“

Wann immer Eltern den Eindruck hätten, dass ihr Kind in seiner Entwicklung Gleichaltrigen hinterherhinkt, sollten sie sich von ihrem Kinderarzt ans SPZ überweisen lassen, rät Haase. Häufig seien es auch die Erzieherinnen in Kindertagesstätten, die Auffälligkeiten zuerst bemerken. „Ihre Hinweise sollten Eltern unbedingt ernst nehmen.“

Im SPZ werden die Mädchen und Jungen von einem interdisziplinären Team aus Medizinern, Psychologen, Logopäden, Sozialpädagogen und Physiotherapeuten ganzheitlich untersucht. „Dabei geht es nicht nur darum herauszufinden, wo das Kind Defizite hat“, verdeutlicht Haase, „wir schauen auch, wo es Ressourcen gibt und welche Potenziale die Familie hat.“

Schwerpunkt des SPZ ist die Diagnostik, in deren Ergebnis ein Förder- und Behandlungskonzept erarbeitet wird. Dabei soll es eine gute Abstimmung mit Ärzten und Therapeuten, Frühförderstellen, Kindergärten und Schulen, Beratungsstellen, Gesundheits- oder Jugendamt geben, so Haase. „Unser Ziel ist eine auf die individuellen Bedingungen abgestimmte Begleitung, bei der es um die Weiterentwicklung des Kindes geht.“ Der Sozialarbeiterin, die zum Team gehört und die die Ansprüche der Kinder auslotet, käme hier eine besondere Bedeutung zu. „Sie kann z. B. für behinderte Kinder Fahrdienste zur Therapie organisieren.“


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