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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 23:03 Uhr

Schwerin : Kinder drehen Zeit zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Projekt der Künstlerin Daniela Melzin über die alte Dorfschule im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß / Heute Filmpremiere

„Stellt Euch vor, Ihr seid zur Zeit Eurer Urgroßeltern in der alten Dorfschule. Was könnte dort passieren?“ Es ist Montag, der erste Ferientag. Elf Hortkinder der Grundschule „Mueßer Berg“ sehen die Künstlerin Daniela Melzig vom Atelier Rothener Hof e.V. erwartungsvoll an. Sie sitzen, mit Papier und Stiften bewaffnet, in einer großen Tisch-Runde im Café des Freilichtmuseums Schwerin-Mueß.

Die bildende Künstlerin und Kunstpädagogin aus Augzin möchte die Phantasie der Kinder beflügeln. Geschichte soll lebendig werden, ein kleiner Animationsfilm aus Filmsequenzen, Fotos und Zeichnungen über das Leben in der alten Dorfschule entstehen. „Was braucht man für einen Film?“, fragt sie die Kinder. „Popkorn“ ist die überraschende Antwort eines Zweitklässlers. In spielerischer Weise nähern sich die Kinder der Klassen eins bis vier vom Hort „Future Kids“ unter Daniela Melzigs geschickter Anleitung dem Medium Film. Was wird gebraucht? Ja, eine Kamera, Schauspieler, Kostüme. Wer möchte Kameramann sein? Ein Test, zwei Kinder stellen sich hintereinander auf. „Der Erste ist die Kamera und lässt sich vom dahinter stehenden Kameramann führen. Der Kameramann sucht ein Motiv und tippt die ,Kamera‘ dann an. Die Kamera arbeitet, macht ein Bild.“ Klick, klick, jede Gruppe schießt ein gedachtes Foto. „Jetzt denken wir uns eine Geschichte aus“, lockt die 46-jährige Künstlerin. Schon am Morgen, dem Start des einwöchigen Ferien-Medienprojektes, saßen die Grundschüler im alten Schulgebäude des Museums. Sie rechneten und schrieben „diese komische Schrift“ (Sütterlin) unter Anleitung der Museumsmitarbeiterin Karin Hentschel. Die Steppkes haben 100 Jahre alte Schulfotos gesehen und historische „Schülerkragen“ angelegt. In Mecklenburg trug man Schülerkragen statt Schuluniformen.

Jetzt sollen die Kinder gedanklich in die Vergangenheit reisen. „Das ist der schwierigste Punkt“, sagt Daniela Melzig. Und ergänzt: „Mir ist es ganz wichtig, dass die Kinder selber etwas entwickeln. Alles ist möglich.“ Die freischaffende Künstlerin sammelte Erfahrungen in den Niederlanden, Belgien und Deutschland und arbeitet seit 2006 in verschiedenen Projekten in Mecklenburg.

2014 entstand in Zusammenarbeit mit Gesine Kröhnert vom Freilichtmuseum und dem Künstlerbund die Idee für ein Schüler-Projekt als Ferienprogramm. Es steht unter der Überschrift „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, ein Bundesprogramm des Ministeriums für Bildung und Forschung, betreut durch den Bund Bildender Künstler.

Im Herbst wurde das Schülerprojekt erprobt. „Wir drehen einfach die Zeit zurück“ ist das zweite Vorhaben. „Wir waren begeistert und haben sofort zugegriffen, als Frau Melzig uns das Projekt vorgestellt hat“, so Michael Böhlke, Hortbetreuer der „Future Kids“ am Mueßer Berg. Die Schüler malen und schreiben ihre Schulgeschichte auf.

Am nächsten Tag sind aus den Kindern Gustav der Störenfried, Herrmann der Streber, der Lehrer Herr Fischer, Regisseur und Kameraleute geworden. Kamera läuft. Sie drehen in der alten Dorfschule. Jetzt sieht es nach einem Spielfilm aus.

Gestern wurde das Projekt beim „Fernsehen in Schwerin“ auf dem Dreesch fertiggestellt. Zwei Schüler „schnitten“ unter Leitung von Martina Kerle, Leiterin des Schweriner Bürgerfernsehens, ihren Film. Spielszenen, Zeichnungen und Fotos wurden zu einem Ganzen zusammengefügt.

Heute ist Filmpremiere im Café des Freilichtmuseums. Man darf gespannt sein.

 

Die Hortkinder der Grundschule „Mueßer Berg“ präsentieren heute um 13.30 Uhr im Café des Freilichtmuseums ihr einwöchiges Filmprojekt über die alte Dorfschule in Mueß.

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