Gesündere Zähne bei Kindern : Kinder aus Problemfamilien haben öfter Karies

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Kinder in MV haben immer gesündere Zähne. Reihenuntersuchungen in den Jahren 2006, 2008 und 2010 an jeweils über 22 000 Kindern belegen einen eindrucksvollen Kariesrückgang bei den 6-, 9- und 12-Jährigen.

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30. Juni 2012, 04:21 Uhr

Greifswald | Kinder in Mecklenburg-Vorpommern haben immer gesündere Zähne. "Reihenuntersuchungen in den Jahren 2006, 2008 und 2010 an jeweils über 22 000 Kindern belegen einen eindrucksvollen Kariesrückgang bei den 6-, 9- und 12-Jährigen", so Prof. Dr. Christian Splieth, Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde an der Greifswalder Universitätsmedizin. Während Sechs-bis Siebenjährige 1995 noch vier erkrankte, fehlende oder gefüllte (Milch-)Zähne hatten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2,26 Kinder in dieser Altersgruppe. Bei den Zwölfjährigen war der Rückgang im Vergleichszeitraum mit 72 Prozent sogar noch deutlicher.

"Mittlerweile gibt es ganze Schulklassen, in denen alle Kinder gesunde Zähne haben", freut sich Prof. Splieth. Allerdings weist er auf eine weitere - unerfreuliche - Tendenz hin: Gebissschäden konzentrieren sich zwar auf eine immer kleiner werdende Gruppe von Kindern, die aber haben dann auch gleich richtige Probleme: "Ein Viertel der Kinder weist drei Viertel der Läsionen auf." Nicht wenige dieser Risikokinder hätten ein komplett zerstörtes Gebiss - meist schon im Milchzahnalter. Sie müssten nicht nur einen enormen physischen und psychischen Leidensdruck ertragen. Um ihre Gebisse zu sanieren, entstünden auch enorme Kosten. "Die Zahl der Vollnarkosen nimmt jedes Jahr deutlich zu", konstatiert der Experte, der mit seinem Team auch die Aufgaben des jugendzahnärztlichen Dienstes in der Hansestadt wahrnimmt.

Viele Eltern würden sich mit ihren von der Nuckelflaschenkaries gezeichneten Kindern erst dann vorstellen, wenn die Kleinen vor Schmerzen nicht mehr schlafen könnten. "Auch hier beobachten wir eine deutliche Polarisation", so Prof. Splieth. Es gebe auf der einen Seite viele verantwortungsvolle, gut ausgebildete und gesundheitsbewusste Elternhäuser. "Ihnen gegenüber steht eine Gruppe, die den Anschluss verloren hat - auch bei der Gesundheit."

Da diese Eltern ihre Kinder seltener in eine Einrichtung bringen, würden sie auch seltener durch Maßnahmen der zahnärztlichen Gruppenprophylaxe erreicht. Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege setze deshalb jetzt verstärkt auf Familienhebammen, die Problemfamilien zur Seite stehen - und dabei auch Tipps zur Mund- und Zahnhygiene geben sollen. Das wird mit 25 000 Euro gefördert. Im September ist dazu eigens eine landesweite Schulung in Neubrandenburg vorgesehen.

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