Reaktionen im Internet : Kind oder nicht – Wer entscheidet?

Die 30-Jährige macht eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten. Die Verantwortung für ein Kind ist ihr zu groß. Ihr gewohntes Leben möchte sie nicht aufgeben.
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Die 30-Jährige macht eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten. Die Verantwortung für ein Kind ist ihr zu groß. Ihr gewohntes Leben möchte sie nicht aufgeben.

Bericht über eine 30-jährige Schwerinerin, die sich bewusst gegen Nachwuchs entschieden hat, löst Debatte im Internet aus

svz.de von
27. April 2017, 20:55 Uhr

 Ist die   Familienplanung eine höchstpersönliche, individuelle Entscheidung oder   Teil einer gesellschaftlichen Verantwortung? Unser Artikel „Leben ohne Kinder“ über die 30-jährige Julia Krzencek aus Schwerin, die ihre Zukunft ohne Nachwuchs plant, hat für kontroverse Diskussionen auf unserer Facebookseite gesorgt. Die Reaktionen im Überblick:

Kinder als Bereicherung

Ein Großteil der Leser sieht Kinder nicht im Kontext mit Verzicht wie Krzencek, sondern als Bereicherung.    „Ich kann mir ein Leben ohne meine Kinder nicht vorstellen, obwohl es nicht immer einfach war und man tatsächlich eine gewisse Zeit zurückstecken muss. Aber es hat sich gelohnt“, sagt Christel Grunow.

Ähnlich sieht es Michaela Binias: „Ich persönlich könnte mir nicht vorstellen, kinderlos zu bleiben. Dass ein Leben in einem heranwächst und die Gedanken an die Zukunft mit dem Wurm sind das denkbar schönste Erlebnis für mich.“

Verantwortung für das eigene Leben

Auf der anderen Seite erhält Krzencek auch Zustimmung. Ihre Sorge, der Herausforderung der Kindererziehung nicht gewachsen zu sein, können viele nachvollziehen – insbesondere auch in Hinsicht der Vereinbarkeit von Job und Familie. Sie sehen es als einen reifen Entschluss der 30-Jährigen an, im Zweifelsfall nur Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.   „Heutzutage machen Eltern fast täglich einen Spagat, um Arbeit und Kind gerecht zu werden. Nur von der Liebe allein wird auch ein Kind nicht gesund und ausgeglichen groß“, unterstreicht Maren Dräger.

„Ich verstehe sie voll und ganz und bin der Meinung, dass  man wirklich nur Kinder in die Welt setzen sollte, wenn man sich bewusst ist, ihnen Bildung, Essen, Freizeitbeschäftigung und eine geordnete Familie bieten zu  können und das über mehrere Jahre“, fügt Nikitas Lovely Vasco hinzu.

Späte Reue

An anderer Stelle äußern mehrere Leser Bedenken, die Familienplanung bereits mit 30 Jahren  ad acta zu legen. Das sei zu früh. Denn Einstellungen ändern sich.  Wer sich seinen Kinderwunsch in einem fortgeschritteneren Alter nicht mehr erfüllen kann,  bereue meist zutiefst seine früheren Ansichten.

Entscheidung der Frau

Nachwuchs oder nicht?  Die Wahl ist für einen Großteil der Leser eine ganz persönliche Entscheidung der Frau. „Es geht doch niemandem was an,  ob man Kinder haben will oder nicht“, so Sylvia Nocke.

Ebenso sieht es Antje Haase: „Man kann das alles hindrehen wie man will,  es ist gut, dass frau selbst entscheiden kann und darauf kommt es an. Nicht, ob es gut oder schlecht ist. Da gibt es keine Parteiergreifung.“

Gesellschaftliche Verpflichtung

Doch das empfinden nicht alle so.  Einige Leser haben kein Verständnis für  eine junge Frau, die keine Nachwuchs bekommen möchte, schließlich sei das Gründen einer Familie auch ein Dienst an der Gesellschaft.  „Wenn jeder anfangen würde so zu denken, würden wir in absehbarer Zeit wortwörtlich aussterben! Es werden hier eh schon zu wenig Kinder geboren!“, findet Ronny Molti drastische Worte.

Viktoria Kostenko hält dagegen: „Frauen sind doch keine Brutmaschinen! Es gibt genug Familien mit zwei oder mehr Kindern. Da darf es dann auch Menschen geben, die keine haben möchten. Lieber haben die Frauen keine Kinder, als dass sie die dann behandeln, als wären sie der größte Fehler ihres Lebens.“

Michael Scharf kann dem nur zustimmen. Seine Meinung nach wäre es fatal sich nur ein Kind anzuschaffen, weil es von allen erwartet wird: Man müsse es wollen, sonst laufen  Mann und Frau Gefahr, keine guten Eltern zu sein.

Michaela Binias  kann die ganze Aufregung nicht verstehen: „Fast überall schaffen wir es zu akzeptieren, dass klassische Muster heute nicht mehr eingehalten werden müssen – warum dann nicht auch bei Frauen, die keine Kinder wollen?“

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