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Kieler Bericht löst Protestwelle aus : Kiel hält Asbest-Transporte für unbedenklich

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Nach dem von der Landesregierung MV vorläufig verhängten Stopp der Asbesttransporte hat das Kieler Umweltministerium offenbar keine Bedenken mehr für Giftmüll-Lieferungen aus Niedersachsen.

Schwerin/Kiel | Während Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) Asbestgift-Transporte von Niedersachsen nach Schönberg (Nordwestmecklenburg) gestoppt hat, sieht das CDU-geführte Umweltministerium in Schleswig-Holstein derzeit keine Gefährdung durch die umstrittenen geplanten Asbest-Transporte zur Mülldeponie Rondeshagen am südlichen Stadtrand von Lübeck. Ein Bericht des Kieler Umweltministeriums für den Landtag kommt zu dem Schluss: "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass eine Gefährdung Dritter durch den Transportvorgang durch Freisetzung von Asbestfasern nicht besteht."

Die Landesregierung in Schwerin hat dagegen in der vergangenen Woche beschlossen, zunächst ein eigenes Rechtsgutachten in Auftrag zu geben. Dies solle "so schnell wie möglich" geschehen, hatte Ministerpräsident Sellering nach der Kabinettssitzung gesagt.

Beim größten Sondermüll-Transport der Bundesrepublik sollen etwa 8000 Lkw mindestens 170 000 Tonnen Asbestschlamm und -scherben von der 1993 stillgelegten Asbestfabrik Fulgurit nach Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein fahren. Mit knapp 140 000 Tonnen geht der größte Teil der umstrittenen Fracht zur landeseigenen Deponie Ihlenberg bei Schönberg.

Etwa 30 000 Tonnen sollen nach Rondeshagen gehen, wo sich etwa 10 Kilometer von der Landesgrenze zu Mecklenburg entfernt nach Angaben des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums eine der modernsten Mülldeponien Europas befindet. Der Bericht aus Kiel hat allerdings keinen Einfluss auf Schweriner Entscheidung zu den Asbest-Transporten. "Es bleibt dabei, dass wir ein eigenes Rechtsgutachten einholen, in dem geprüft wird, ob die Transporte zulässig sind oder nicht", sagte gestern Sellerings Regierungssprecher Andreas Timm auf Anfrage unserer Redaktion.

Doch auch in Schleswig-Holstein werden die Asbest-Laster noch nicht rollen. Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU) will trotz Unbedenklichkeits-Gutachten vorerst keine Giftmüll-Transporte aus Niedersachsen in die Deponie Rondeshagen lassen. "Ich bleibe dabei, dass ich erst den Vertrag in Rondeshagen freigebe, wenn alle offenen Fragen geklärt sind. Und im Augenblick sind sie das noch nicht", erklärte sie gestern. Auch in den eigenen Reihen der CDU/FDP-Koalition gibt es Bedenken gegen die Transporte.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte vergleichbare Transporte in Niedersachsen vor zwei Jahren bereits gestoppt. Damals hieß es unter anderem, dass Asbestschlamm nur in "Big Bags" - also komplett verpackt - transportiert werden darf. Bei dem jetzt geplanten Transport per Lkw ist jedoch nur eine Abdeckung mit einer Plane vorgesehen. Gegner befürchten deshalb Gesundheitsgefahren für Anwohner entlang der Strecke und für Mitarbeiter der Deponie , weil krebserregende Asbestfasern freigesetzt werden könnten.

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erstellt am 07.Dez.2011 | 08:25 Uhr

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