Wie sicher ist der Reaktor in Greifswald? : Kernprojekt mit Macken

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"Wendelstein 7-X": Der BUND hat beim Greifswalder Kernfusionsexperiment Sicherheitsmängel beklagt. dpa

Mögliche Mängel und Risiken beim Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X haben gestern das Gesundheitsministerium in erhebliche Erklärungsnöte gebracht. Die Verantwortlichen üben sich in Schadensbegrenzung.

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26. Juli 2012, 07:13 Uhr

Greifswald/Schwerin | Mögliche Mängel und Risiken beim Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X haben gestern das Landes-Gesundheitsministerium in erhebliche Erklärungsnöte gebracht: "Die Anlage wurde nicht so errichtet, wie sie seinerzeit ... genehmigt wurde", heißt es in einem internen Dokument des Ressorts, das unserer Redaktion vorliegt. Es habe sich "herausgestellt, dass hinsichtlich der Beschaffenheit des Betons (u.a. auch dessen Homogenität und Wassergehalt) Abweichungen von der Auflage des Genehmigungsbescheides offenkundig waren." Damit sei jedoch das Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald als Genehmigungsinhaber nicht konfrontiert worden. Und noch deutlicher: " Dabei hätte es Pflichtaufgabe der Genehmigungsbehörde sein müssen, die Einhaltung der Auflage ... zu überprüfen. Dieses wurde aber unterlassen." Genehmigungsbehörde für die Errichtung ist das Ministerium, eine Betriebsgenehmigung steht noch aus.

Bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz gestern in Schwerin versuchten sich das Ressort und das nachgeordnete Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) in Schadensbegrenzung: "Es ist momentan noch nicht nachgewiesen, dass Fehler existieren, aber auch nicht, dass alles den Vorschriften entspricht", sagte LAGuS-Direktor Heiko Will. Bestätigen musste er aber, dass ein entsprechendes Gutachten für den Betonmantel fehle. Das wolle man jetzt aber erarbeiten lassen. Will räumte ein, dass dem Amt schon seit vergangenem Jahr bekannt sei, dass das Gutachten fehlt. Allerdings: Bereits vor mehr als zehn Jahren sind laut dem Ministeriumspapier im Zuge eines auf den 21.12.1998 datierten Sachverständigengutachtens des Experten Bernd Hillemeier Abweichungen hinsichtlich der Beschaffenheit des Betons, der Homogenität und des Wassergehalts festgestellt worden. Will jedenfalls betont: Sicherheitsmängel gäbe es nicht: "Die Anlage ist noch nicht in Betrieb." Die Umweltorganisation BUND hatte gestern einen Baustopp für "Wendelstein 7X" verlangt. Der BUND kritisiert nicht nur, dass der Strahlenschutzbeton möglicherweise fehlerhaft zusammengesetzt sei, sondern auch die Abschirmung der in der Anlage entstehenden Neutronenstrahlen an den Hallentoren nicht gewährleistet sei. Der Verband warf dem Ministerium vor, die Probleme zu negieren. Das Ministerium wiegele die Versäumnisse gezielt ab, sagte BUND-Vize Thomas Blaudszun. Das Ressort plane zudem mit der Genehmigung eines einmaligen Probebetriebs, die eventuell austretende Strahlung der Anlage feststellen zu lassen und damit Erkenntnisse über die Sicherheitslage zu gewinnen. Eine entsprechende Sicherheitsstudie solle das IPP durch ein unabhängiges Institut erstellen lassen. "Das ist so, als ob der Prototyp eines Flugzeugs in der Testphase gleich mit 300 Passagieren an Bord in die Luft geschickt wird und dann geschaut wird, ob die Tragflächen dran bleiben". Das LAGuS wies die Vorwürfe zurück. Den Probebetrieb habe das IPP ins Spiel gebracht, man habe dies nur zur Kenntnis genommen, so Will.

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