Radioaktive Strahlung : Kernkraftwerk Lubmin im Visier

Der mit spezieller Messtechnik  ausgerüstete Hubschrauber der Bundespolizei fliegt über das stillgelegte Kernkraftwerk
Der mit spezieller Messtechnik ausgerüstete Hubschrauber der Bundespolizei fliegt über das stillgelegte Kernkraftwerk

Das Bundesamt für Strahlenschutz misst die Radioaktivität über den kerntechnischen Anlagen in Deutschland aus der Luft

svz.de von
07. November 2018, 09:15 Uhr

Das Bundesamt für Strahlenschutz misst seit Dienstag mit Hubschraubern die vom Atomstandort Lubmin ausgehende radioaktive Strahlung. Mit hochsensibler Messtechnik ausgestattete Helikopter der Bundespolizei überfliegen dabei bis heute in 100-Meter-Bahnen das Areal mit dem stillgelegten Kernkraftwerk und dem Zwischenlager Nord in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung, um die Fläche radiologisch zu kartieren.

Die Daten seien Grundlage, um im Falle eines Unfalls Anomalien und kritische Bereiche ausfindig machen zu können, sagte BfS-Referatsleiter Christopher Strobl. Seit 2011 seien bereits rund 15 kerntechnische Anlagen in Deutschland auf diese Weise kartiert worden. „Grenzwertüberschreitungen wurden bei den Messungen bislang nicht festgestellt“, betonte er.

Während des Flugs über das Kernkraftwerk hat BfS-Operator Michael Thomas die Detektoren, Sensoren, den Messrechner und den Monitor im Blick, auf dem die Daten auflaufen. „Wir messen die Gammastrahlung des Bodens. Nur sie kann – anders als die Alpha- und Beta-Strahlung – in dieser Reichweite von etwa 100 Metern über dem Boden von den Messgeräten registriert werden“, erklärte er. Während des Überflugs zeichnet sich das Flugraster auf dem Monitor. In einem Bereich sind statt der grünen, gelbe und rote Linien erkennbar. Laut EWN-Sprecherin Marlies Philipp handelt es sich dabei um den abgezäunten Kontrollbereich, in dem Container mit schwach radioaktivem Material stehen.

Die Messergebnisse aus Lubmin sollen laut BfS zunächst dem Innenministerium und dem Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) als Betreiber des AKW und des ZLN vorlegt und in rund vier Wochen auf der Internetseite des BfS veröffentlicht werden. Die Daten werden auch mit den am Boden registrierten Messwerten auf Plausibilität geprüft werden.

Nach EWN-Angaben stehen auf dem Betriebsgelände vier Messstationen und zwei weitere im nahen Seebad Lubmin und im Dorf Spandowerhagen. Sie erfassen kontinuierlich die sogenannte Ortsdosisleistung und die Aerosol-Aktivität. Alle zehn Minuten würden die Daten gespeichert. Grenzwerte seien dort nie erreicht oder überschritten worden, hieß es vom EWN.

Seit 1993 arbeiten das Bundesamt und die Bundespolizei bei Radioaktivitätsmessungen zusammen, wie Strobl berichtete. Schwerpunkt der vergangenen Jahre war unter anderem der frühere Uranbergbau der Wismut AG im Erzgebirge. Seit 1997 werde dieses Gebiet im Drei-Jahres-Rhythmus überflogen, um zu dokumentieren, ob sich bei den Sanierungsarbeiten radiologische Veränderungen ergeben.

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