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Population überschritten? : Keinen Bock auf noch mehr Wölfe in MV

vom
Aus der Onlineredaktion

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus sieht die maximale Bestandsgröße erreicht

svz.de von
erstellt am 08.Nov.2017 | 19:00 Uhr

Die Wölfe in Deutschland haben nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus die angestrebte Population bereits überschritten. „Wir rechnen inzwischen mit mehr als 1000 Wölfen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch beim deutsch-polnischen Bauerntag in Pasewalk. Damit müssten die Raubtiere wie in Schweden, Estland, Russland und Frankreich „bewirtschaftet werden.“

Die Zahl – Backhaus nannte 62 bis 64 Rudel – entspreche schon einem „guten Erhaltungszustand“, so dass der strenge Schutzstatus bei der EU in Brüssel aufgehoben werden sollte. „Der Bestand nimmt jährlich um 30 Prozent zu“, sagte Backhaus. 2016 waren es 47 Rudel und 21 Wolfspaare. Als zuständiger Minister erwarte er vom Bundesumweltministerium ab 16. November bei der Umweltministerkonferenz in Potsdam konkrete Antworten. Es müsse klar sein, was ein guter Erhaltungszustand bei Wölfen ist und wie konkret mit „auffälligen Wölfen“ umgegangen wird. In Polen gebe es 62 Wolfsrudel der gleichen Population.

Extra: Wie Deutschland mit Wölfen umgeht

Mehr als 150 Jahre lang galt das Raubtier in Deutschland als ausgestorben. Doch seit der Jahrtausendwende erobert der Wolf Deutschland zurück – und zwar im Eiltempo. Wie sieht die Situation in den Bundesländern aus?

In Sachsen wurden im Sommer 2001 die deutschlandweit ersten Wölfe gesichtet. In den Folgejahren vermehrten sich die Tiere stark. Schon früh wurden sogenannte Herdenhunde für den Schutz des Weideviehs eingesetzt. Streit gibt es derzeit über den möglichen Abschuss eines Wolfes in der Lausitz.

In Brandenburg treffen sich verärgerte Viehhalter zu abendlichen Mahnwachen bei ihren Herden, um sie gegen den Wolf zu verteidigen.

In Sachsen-Anhalt wird derzeit über den Schutz von Rinderherden diskutiert. In zwei Pilotprojekten testet das Wolfskompetenzzentrum des Landes neue Zäune für Weiden. Rinderhalter bekommen bislang keine Fördergelder vom Land.

In Thüringen könnte es bald sechs Wolf-Hund-Mischlingen an den Kragen gehen, weil sich ihre Mutter mit einem Haushund eingelassen hat. Um die Art Wolf und auch Menschen zu schützen, sollen die Tiere aus der freien Wildbahn geholt werden.

In Niedersachsen soll in Zukunft der Abschuss ganzer Rudel möglich werden – nach entsprechender Genehmigung.

In Schleswig-Holstein vergütet das Land Viehhaltern sowohl Schäden, die nachweislich durch Wölfe verursacht wurden, als auch solche, bei denen Wölfe als Verursacher nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

In Nordrhein-Westfalen ist kein Wolf sesshaft.

In Hessen ist Voraussetzung für das Töten eines Wolfes, dass von ihm eine Gefahr für Menschen ausgeht oder dass er krank ist. Dann darf die Polizei das Tier erschießen - oder ein Jäger.

In Rheinland-Pfalz dürfen Tiere laut Wolfsmanagementplan nur nach Genehmigung geschossen werden.

In Bayern sind nur zwei wilde Wolfspaare nachgewiesen.

 

Sollte das nicht passieren, werde er im Dezember im Landtag in Schwerin eigene Pläne einbringen. Backhaus warnte vor rund 150 Teilnehmern aber auch vor zu schnellen Abschussentscheidungen. Umweltverbände könnten wie in Sachsen klagen und sich Gerichte dann damit befassen, was Lösungen enorm verzögern würde.

Anlass für die Debatte sind zunehmende Wolfsattacken auf Schafe und Rinder im Nordosten. So soll ein „Problemwolf“ im Oktober trotz Schutzzauns mindestens neunmal in einen Solarpark eingedrungen sein, wo Schafhalter Theo Seiter rund 100 Tiere zur Landschaftspflege hielt. „Ich habe etwa 35 Tiere dadurch verloren“, erklärte Seiter. Er hat als erster professioneller Tierhalter einen Antrag auf Beseitigung dieses Wolfes gestellt.

Für Wolfsexperten ist auch wichtig, dass die Raubtiere solche Verhaltensarten nicht an ihren Nachwuchs weitergeben. Das Problem: Wegen des Naturschutzes durfte der Solarparkbetreiber seinen Zaun nur so bauen, dass unten hindurch noch Igel, Hasen und andere Kleintiere kriechen können. Das hatte sich der Wolf aber zu Nutze gemacht und den Zaun unterwühlt. Das Agrarministerium hat nun aber einer „Entnahme“ nicht zugestimmt, erst soll der Zaun mit einem „Untergrabungsschutz“ versehen werden.

Das wollen weder Schafhalter noch der Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern akzeptieren. „Die bisherige Entscheidung des Ministeriums ist ein Witz“, sagte der Präsident des Verbandes Detlef Kurreck. Die Landwirte hätten in diesem eindeutigen Fall endlich ein Signal aus der Politik erwartet. Wölfe würden sich so einen „gedeckten Tisch“ nicht entgehen lassen. „Keine andere Regierung lässt ihre arbeitenden Leute derart hängen“, sagte Seiter, der von seinen Schafen lebt, noch zwei Angestellte hat und seine letzten Schafe nun aus Ramin abholen will. Die enorm verängstigten Tiere ließen sich aber nicht einfach einfangen. Für eine Zaunerweiterung sei nicht er, sondern der Besitzer des Parks zuständig.

Aber nicht nur Wölfe, auch Biber treiben den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern immer mehr Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir müssen in die Bestände eingreifen“, erklärte Vize-Landrat Jörg Hasselmann. So untergrabe ein Biber bei Löcknitz einen Bahndamm an dem die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne. Andere Biber sorgten für Überschwemmungen bei geschützten Orchideenwiesen.

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