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Studie des Zentrums für Lebensmitteltechnologie (ZLT) : Keinen Appetit auf "Seniorenteller"

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Die Ernährungsbranche in Deutschland hat sich noch nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von Menschen über 50 eingestellt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Lebensmitteltechnologie (ZLT).

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2011 | 08:09 Uhr

Neubrandenburg | Die Ernährungsbranche in Deutschland hat sich noch nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von Menschen über 50 eingestellt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Lebensmitteltechnologie (ZLT) Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg. "Ältere wollen regionale Lebensmittel, eindeutige Kennzeichnungen und einfach zu öffnende Verpackungen", sagte ZLT-Leiter Holger Gniffke. In der Gastronomie sollte es statt "Seniorenteller" drei Größen von Gerichten - S, M, L - geben. Bei der Studie testeten 48 Frauen und Männer im Alter von 50 bis 76 Jahren über ein Jahr Lebensmittel von 30 Unternehmen.

"Diese Gruppe ist durchaus interessant für die Hersteller, sie verfügen meist über genug Geld und kaufen bewusster ein als Jüngere", erläutert Gniffke. Wenn die Ergebnisse der Studie beachtet würden, könne der vielzitierte demografische Wandel auch als Chance für die Gesundheitsbranche gesehen werden.

"Die Testprodukte waren unter anderem Wurst, Fisch, Milchprodukte, Kekse, Säfte, Spirituosen und Gemüse", erläutert Versuchsleiter Patrick Röhl. Die Testpersonen saßen nach einer Schulung allein in einer Kabine und erhielten über Klappen mehrere Varianten eines Produktes. Auf einer Skala von 1 bis 9 wurde das Produkt bewertet. Merkmale waren unter anderem: Aussehen, Farbe, Geruch, Geschmack und Textur sowie eine praktikable Verpackung. Die Ergebnisse überraschten die Experten. "Wie wichtig die Verpackung ist, hätte ich nicht gedacht", gesteht Gniffke. So wollten Ältere meist kleinere und vor allem gut zu öffnende Verpackungen. "Manche Milchpackung fällt da durch." Die Wurst sollte weniger salzig und weicher sein. Milchmischgetränke seien oft zu süß. "Und ganz wichtig sind die Hinweise auf der Packung, die auf Deutsch und gut verständlich sein sollten." Jede "Verdenglischung" sollte vermieden werden

Insgesamt, so Lebensmitteltechnologe Röhl, sind die geschmacklichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich größer als zwischen den verschiedenen Altersgruppen. "Inzwischen spielt aber der Gesundheitsaspekt ab 50plus eine größere Rollen und die Leute wollen gern genau auf der Verpackung lesen, wenn ein Produkt gesundheitsfördernd ist", sagt Gniffke. Das sei in Deutschland problematisch, da sich die Pharmaindustrie gegen die Ernährungsbranche stark abschotte.

Die Studie ist inzwischen abgeschlossen. Die Firmen haben ihre Ergebnisse bekommen und Gniffke hofft auf ein Folgeprojekt. "Wir würden das Gleiche gern nochmal mit Jüngeren testen." Der Hersteller eines durchgefallenen Milchmixgetränkes habe übrigens die Ergebnisse gleich umgesetzt: "Er brachte das veränderte Getränk zum Ende der Studie nochmal zum Test. Es kam gut an."

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