Fachkräftemangel : Keine Zukunft auf dem Lande?

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Manche Regionen in Ostdeutschland entvölkern sich – IWH-Präsident Gropp rät zur Konzentration auf die Städte und hofft auf Zuwanderung

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05. August 2015, 12:00 Uhr

Ostdeutschland drohen nach Meinung des Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint E. Gropp, in Zukunft Betriebsschließungen wegen Fachkräftemangels. Die Probleme durch den Bevölkerungsschwund und den steigenden Anteil älterer Menschen könnten durch Zuwanderung zumindest abgefedert werden, so Gropp im Interview mit Simone Rothe.

Gerät der Osten in eine Demografiefalle?

Gropp: Auf jeden Fall sind die demografischen Effekte viel drastischer in Ostdeutschland als in Westdeutschland und viel gravierender auf dem Land als in der Stadt. Ich glaube, dass das die größte Herausforderung der nächsten Jahrzehnte sein wird. Die Wirtschaft leidet schon jetzt unter dem Fachkräfte- und Azubi-Mangel. Es wird eine Ausdünnung bei kleinen Betrieben geben, auch weil Unternehmensnachfolger fehlen. Das könnte die Land-Stadt-Wanderung noch verstärken.

Wie sollte Ihrer Meinung nach auf diese Entwicklungen reagiert werden?

Ich glaube, die Politik muss irgendwann den Mut haben und sagen, dass die Infrastruktur in dünn besiedelten Gebieten nicht auf Dauer auf dem bisherigen Niveau gehalten werden kann. Es ist unheimlich teuer, Abwasserleitungen oder schnelles Internet für ganz wenige Menschen bereitzustellen. Ich weiß, dass so ein Eingeständnis schwer fällt, weil wir bisher den Anspruch auf überall gleiche Lebensbedingungen haben.

Also weg vom Land?

Ich befürchte mittelfristig schon. Man muss sich auf die Städte konzentrieren, gerade in Ostdeutschland. Sie müssen attraktiver werden für die Zielgruppe der gut ausgebildeten, möglichst kinderreichen jungen Familien. Wahrscheinlich können die nur aus dem Ausland kommen, weil es ja auch im Westen Fachkräftemangel gibt. Es verlangt von Politikern schon großen Mut, Politik für eine Gruppe zu machen, die noch gar nicht da ist und daher auch keine Stimme bei Wahlen hat.

Dann schnappt die Demografiefalle nicht zu, wenn es ausreichend Zuwanderung in Ostdeutschland gibt?

Einwanderung kann den Prozess verlangsamen und abfedern, aber die Probleme nicht vollständig lösen. Man muss dabei die Asylproblematik vollständig von der Einwanderung trennen. Es geht darum, für junge Fachleute, für High Potentials, attraktiver zu werden. Dabei muss eine Kultur geschaffen werden, die Zuwanderung zuträglich ist. Pegida sorgt für das Gegenteil. Die Verwirrung um Asylsuchende und Immigrationswillige behindert die Debatte entscheidend. Bei den einen geht es um den berechtigten Schutz vor Verfolgung in ihren Heimatländern, bei den anderen um Menschen, die sich hier dauerhaft eine Zukunft aufbauen könnten, weil sie auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden. Ein Zuwanderungsgesetz könnte da schon helfen, auch wenn es eigentlich zu spät kommt.

Aber warum sollten Migranten nach Rostock, Halle oder Erfurt gehen und nicht in die Großstädte im Westen?

Es gibt ja durchaus einige Bedingungen, die beispielsweise in Halle besser sind als in Frankfurt am Main: Man findet besser eine schöne, bezahlbare Wohnung, die Kinderbetreuungsangebote sind deutlich besser, es gibt mehr Ganztagsschulen und die Qualität der Schulen ist in einigen Fächern höher als im Westen. Das macht die ostdeutschen Städte attraktiv für gut ausgebildete Paare, von denen beide arbeiten.

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