Große Wahlumfrage : Keine Wechselstimmung, aber viele unentschlossen

Meinungsumfrage zeigt Zufriedenheit mit der SPD/CDU-Regierung. Mehrheit wünscht sich weiterhin Große Koalition. Ein Fünftel hat noch keine Parteipräferenz

von
19. August 2016, 05:00 Uhr

Mehr als die Hälfte der Bürger des Landes ist mit der Arbeit der SPD/CDU-Regierung im Land zufrieden. Enorme 77 Prozent der Mecklenburger und Vorpommern beurteilen ihre persönliche wirtschaftliche Situation als sehr gut oder gut – mehr als drei Viertel der Bevölkerung! 58 Prozent wünschen sich nach den Wahlen im September wieder eine SPD/CDU-Koalition. Und knapp die Hälfte würde für Erwin Sellering stimmen, wenn der Ministerpräsident direkt gewählt würde. Wechselstimmung sieht anders aus.

 

Dennoch würden 19 Prozent der Befragten die AfD wählen. Die Ursachen sind schnell ersichtlich. AfD-Anhänger sind laut unserer Umfrage, für die das renommierte Meinungsforschungsinstitut infratest dimap 1003 repräsentativ ausgewählte Mecklenburger und Vorpommern befragte, in der großen Mehrheit – 88 Prozent – mit der Arbeit der Landesregierung unzufrieden. Im Durchschnitt der gesamten Umfrage sind nur 43 Prozent der Bürger unzufrieden, 54 Prozent sind hingegen zufrieden.

 

Für AfD-Anhänger ist die Zuwanderung ein wahlentscheidendes Thema. 70 Prozent wählen offenbar AfD wegen des Umgangs der regierenden Parteien mit den Flüchtlingen. Eigentlich ein Thema der Bundespolitik, wie Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ständig hervorhebt. In MV selbst beträgt der Anteil der 12 500 hier lebenden Flüchtlinge nicht einmal ein Prozent an der Bevölkerung. Der CDU-Spitzenkandidat, Innenminister Lorenz Caffier, rechnet es sich sogar als Erfolg an, dass die Situation im Land im Vergleich zu anderen Ländern geräuschlos und gut gemanagt wurde. Caffier sieht überhaupt keinen Grund, eine Wahlentscheidung von der Integration und Zuwanderung abhängig zu machen.

 

Soziale Gerechtigkeit, innere Sicherheit oder auch Bildung sind für die AfD-Wähler hingegen weniger wahlentscheidend als bei Anhängern anderer Parteien. Mit einem Themenwahlkampf, wie ihn etwa Caffier mit innerer Sicherheit führt, wird man der AfD also keine Wähler abspenstig machen können. Der CDU-Spitzenkandidat kann nur auf das eigene Wählerpotenzial hoffen – und auf die SPD. Er sagte uns gestern zur Umfrage: „Es bleibt nach wie vor ein enges Rennen. Wichtig ist, dass in diesem Land eine Regierung getragen von zwei Parteien möglich ist.“

 

Auf Rückenwind aus der Bundespolitik kann Caffier hingegen nicht hoffen. Er dürfte schon froh sein, wenn kein Gegenwind aus Berlin kommt. Aber da dürfte es der CDU nicht anders gehen als der SPD. Deren Spitzenkandidat, Erwin Sellering, wirbt vor allem mit sich selbst und mit dem Erreichten. „Gemeinsam auf Kurs“ - so das zentrale Wahlmotto der Sozialdemokraten. Bei den anfangs erwähnten Zufriedenheitswerten der Bürger könnte das sogar verfangen. Allerdings ist die Zufriedenheit mit der persönlichen Situation auch bei den AfD-Anhängern sehr hoch (71 Prozent).

 

Ministerpräsident Sellering will die verbleibenden zwei Wochen nutzen, um die nach oben gehende Zustimmung zur SPD auszubauen. Nachdem die Regierungspartei seit April wie festgenagelt bei 22 Prozent stand, frohlockt Sellering jetzt: „Der Trend geht für die SPD eindeutig nach oben. Wir sehen diese Zahlen als Ansporn für unseren Wahlkampf.“ Dass da bei allen Parteien noch etwas geht, zeigen die Zahlen der Unentschlossenen: Ein Fünftel der Wähler weiß noch nicht, wen es wählen soll. Weitere zehn Prozent machten keine Angaben. Also liegt da noch ein Potenzial von 30 Prozent brach. Die gilt es zu überzeugen. Da werden alle Parteien ansetzen – auch die AfD.

>> Alles rund um die Landtagswahl am 4. September sowie Hintergründe zu den Parteien lesen Sie in unserem Dossier.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen