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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 05:53 Uhr

Rügen : Keine Treppe mehr am Königsstuhl

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Hangabschnitt auf Rügen rutscht. Urlauber sollen von gefährlichen Strandwanderungen abgehalten werden

Am Königsstuhl, dem berühmten Kreidefelsen an der Insel Rügen, können Wanderer künftig nicht mehr zum Strand absteigen. Ein Hangteil an der Treppe neben dem Wahrzeichen und beliebtesten Ausflugsziel der Insel gelte „als geologisch instabil und stark abbruchgefährdet“, wie das Umweltministerium mitteilte. Aus diesem Grund werde die Treppe zurückgebaut. Der Abstieg, der unmittelbar südlich vom 118 Meter hohen Königsstuhl an den Strand führt, ist bereits seit Mai 2016 gesperrt. Ein Baum war auf einen unteren Treppenabschnitt gestürzt.

Blick auf den Abstieg zum Strand
Blick auf den Abstieg zum Strand
 

Untersuchungen hätten ergeben, dass die in Holzbauweise errichtete Treppe einen erheblichen Reparaturaufwand aufweist. Der Grund: Die ersten 270 Meter der insgesamt 515 Meter langen Treppe verlaufen in einem „geringfügig aber stetig rutschenden“ Hangbereich. Dadurch werde die Treppe statisch beansprucht.

Jedes Jahr besuchen rund 500 000 bis 800 000 Gäste den Königsstuhl, der einen spektakulären Ausblick auf die Ostsee eröffnet. Mit dem nun geplanten Rückbau der Treppe ist nach mehr als 200 Jahren ein bislang zur Wanderung obligatorisch dazugehöriger Abstieg an den Strand endgültig passé. Wie der Sassnitzer Stadtarchivar Frank Biederstaedt in seinem Buch zur Geschichte der Stubnitz berichtete, waren auf Initiative des Sagarder Pastors Heinrich Christoph von Willich bereits Ende des 18. Jahrhunderts Naturstufen in den Hang vom Königsstuhl geschlagen worden, um den Abstieg vom Hochufer an den Strand zu erleichtern.

Die Gefahrenhinweiskarte des Geologischen Dienstes des Landes weist für den unmittelbar südlich an den Königsstuhl angrenzenden Bereich eine hohe bis sehr hohe Abbruchneigung aus – im Gegensatz zum Rügen-Wahrzeichen selbst. Dort wird die Abbruchneigung auf der vierstufigen Skala als „niedrig“ beziehungsweise „erhöht“ eingestuft.

Im Blick haben die Behörden allerdings den Übergang zum Königsstuhl, das sogenannte Königsgrab. Der Untergrund des Königsgrabes bestehe aus Kreide und Mergel. „Abhängig von der Witterung können hier Veränderungen entstehen“, sagte eine Sprecherin.

Um künftig dauerhaft sicher auf den Königsstuhl zu kommen, wird in den Behörden unter anderem über eine berührungsfreie Plattform nachgedacht. Verankert im massiven Gestein könnte die Plattform über dem Königsstuhl-Plateau schweben. Dazu werde eine Machbarkeitsstudie erstellt, man befinde sich aber noch in einer frühen Planungsphase, sagte Sassnitzs Bürgermeister Frank Kracht.

Der Abbau der Treppe neben dem Königsstuhl ist für das Ministerium wie auch für den Sassnitzer Stadtchef eine Frage der Sicherheit: Die Sassnitzer Feuerwehr musste in den vergangenen fünf Jahren im betroffenen Strandabschnitt bei 15 Einsätzen neun Personen vom Strand retten, die sich in akuter Notlage befanden. Unter anderem waren zwei Jugendliche in das Massiv geklettert und mussten durch die Höhenrettung befreit werden.

Der Strand ist an dieser Stelle zudem nur wenige Meter breit, so dass bei Sturm die Wellen unmittelbar auf den Hangfuß schlagen. Dies habe in den vergangenen Jahren immer wieder zu Hangausbrüchen geführt. Das Ministerium sieht deshalb „ein erhebliches und kaum kalkulierbares Risiko für die Standfestigkeit eines neuen Abstiegs und für die Strandbesucher“.

Wenn die Treppe verschwindet, wird das auch die Zahl der Strandwanderer an der Kreideküste generell deutlich reduzieren. Der nächste Abstieg befindet sich erst mehrere Kilometer weiter südlich am Kieler Bach. Die Nationalparkverwaltung warnt seit vielen Jahren vor den Gefahren bei Strandwanderungen durch Abbrüche.

Zu den spektakulärsten Abbrüchen gehört der Absturz der berühmten Wissower Klinken im Jahr 2005. Auswirkungen auf den Tourismus befürchtet zumindest die Stadt Sassnitz nicht. Urlauber hätten die Möglichkeit, von Sassnitz bis zum Kieler Bach am Strand entlang zu wandern.

 

Martina Rathke

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