Gesellschaftliches Engagement MV : Keine Strategie fürs Ehrenamt?

Verantwortungsvolle Aufgabe: Viele Feuerwehren haben Probleme, ausreichend Freiwillige für den ehrenamtlichen Dienst zu finden.
Verantwortungsvolle Aufgabe: Viele Feuerwehren haben Probleme, ausreichend Freiwillige für den ehrenamtlichen Dienst zu finden.

Grüne erheben Vorwürfe gegen die Landesregierung. Auf Messen haben kleinere Initiativen und Verbände kaum Chancen

von
01. März 2016, 12:00 Uhr

Bereits jeder Dritte im Land ist in einem Ehrenamt aktiv. Doch in anderen Bundesländern ist bürgerschaftliches Engagement noch ausgeprägter. Auf den Ehrenamtsmessen, die bis Mitte März an insgesamt sechs Orten im Land stattfinden, sollen deshalb jetzt neue Mitstreiter gewonnen werden. Ministerpräsident Erwin Sellering und Sozialministerin Birgit Hesse (beide SPD) betonten beim Auftakt der Messen in Schwerin, wie wichtig ihnen dieses Anliegen ist. Ehrenamt brauche Anerkennung und Unterstützung, erklärte der Regierungschef. Der Tag des Ehrenamtes, die Ehrenamtsdiplome, die Sammel-Unfall- und Haftpflichtversicherung für Ehrenamtliche, die erfolgreiche Ausbildung von Seniortrainern und die Ehrenamtsmessen seien wichtige Schritte auf dem Weg dorthin, so Sellering.

Doch die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Silke Gajek, hält ihm entgegen: „Ehrenamtsmessen ersetzen keine Ehrenamtsstratgie.“ Alle Einzelmaßnahmen – einschließlich der im letzten Jahr ins Leben gerufenen Ehrenamtsstiftung – würden verpuffen, solange sie nicht in integrierte Engagementsstrategien eingebunden seien, so Gajek. Derzeit entstehe allzu oft der Eindruck, dass es überall dort, wo hauptamtliche Strukturen wegbrechen, nun das Ehrenamt richten soll.

Zentral für die Mobilisierung von Engagement im Land sei die Gemeinschaftserfahrung. „Wer durch die Ausdünnung der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Daseinsvorsorge, den Abbau oder die Überalterung existenzieller Infrastrukturen und mit dem Rückzug des Staates und der Gesellschaft aus der Fläche immer weniger Gemeinschaft erfährt, wofür soll die- oder derjenige sich noch engagieren?“, fragt die Grünen-Politikern. „Es heißt doch immer: Engagement ermöglicht Teilhabe. Umgekehrt gilt aber auch: ohne Teilhabe kein Engagement.“ Deshalb müsse, so fordern die Grünen, antizyklisch gehandelt werden: „Wenn Menschen das Land verlassen oder immer weniger Kinder bekommen, dann dürfen wir gerade nicht die Strukturen an die schrumpfende Bevölkerung anpassen, sonst beschleunigen wir die Abwärtsspirale und verbrennen Steuergelder in Strukturmaßnahmen. Wir müssen im Gegenteil die Motivationen verbessern, hier zu bleiben, her zu kommen, Kinder zu haben und sich einzubringen“, meint Gajek.

Weil das alles nicht zum Nulltarif zu haben ist, fordern die Grünen einen Engagementsetat im Landeshaushalt. „Solange es weder ihn noch eine Engagementsstrategie gibt, werden immer zuerst die Wohlfahrtsverbände, die freiwilligen Rettungs- und Katastrophendienste sowie die Sportverbände, dann die Vereinslandschaft und erst zuallerletzt die freien Initiativen und Projekte den Rahm der Ehrenamts-Förderung abschöpfen “, warnt Silke Gajek. Denn wer hauptamtliche Strukturen habe, sei hier klar im Vorteil.

Auch die Ehrenamtsmessen würden von der freien Wohlfahrtspflege, freiwilligen Rettungsdiensten und dem Katastrophenschutz dominiert. Mitmachzentralen und andere Anlaufstellen würden zwar theoretisch auch im Auftrag von kleineren Vereinen oder Projekten agieren – tatsächlich aber warteten sie überwiegend passiv ab, dass jemand sich an sie wendet. Und: Die jüngere Generation würde sich weder durch Messen noch von Mitmachzentralen angesprochen fühlen, so Gajek.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen