Von MV ins All : Keine Spaghetti im Weltraum

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Astronaut Paolo Nespoli erzählt zu den 30. Raumfahrttagen in Mecklenburg-Vorpommern Schülern über das Leben im All.

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14. November 2014, 12:00 Uhr

Es ist eine Woche, die Raumfahrtgeschichte schreibt. Am Montag landete Alexander Gerst, der elfte deutsche Astronaut, nach einem halben Jahr im All wieder auf der Erde. Vorgestern dann gelang der ESA mit der Landung des Minilabors „Philea“ auf einem Kometen ein Meilenstein der Raumforschung. Und nun finden in MV zum 30. Mal die Raumfahrttage statt. Bis Sonntag dreht sich hier alles um das All, Sterne, Raumfahrttechnik und Astronauten.

Zum ersten Mal startete das Event gestern mit einem Jugendtag für Schüler in der Außenstelle des Zentrums der Deutschen Luft- und Raumfahrt (DLR) in Neustrelitz. Besonderer Höhepunkt: Astronaut Paolo Nespoli war da, um von seinen zwei Aufenthalten im All zu erzählen.
„Wir wollen das Interesse der Jugendlichen an der Forschung wecken und hier sind die Bedingungen ideal“, meinte Neustrelitz’ Bürgermeister Andreas Grund zur Eröffnung. Das musste er den rund 100 anwesenden Schülern nicht zweimal sagen. Sechs von ihnen freuten sich besonders auf diesen Tag. Endlich konnten sie einem Astronauten Fragen stellen. Wie schmeckt eigentlich das Essen im All? Kann man da oben krank werden? Träumt man in der Schwerelosigkeit anders als auf der Erde?

Die Fragen an Astronaut Alexander Gerst hatten sich die Schüler bereits im Juli überlegt. Damals war er noch oben. Die DLR in Neustrelitz nahm per Funk Kontakt zum Astronauten auf der Raumstation ISS auf.

Zehn Minuten hatten 20 Schüler, um ihre Fragen zu stellen, bevor der Kontakt abbrach. Sechs Fragen blieben damals unbeantwortet. Umso aufgeregter waren die Schüler gestern in Neustrelitz, live und in Farbe vor Paolo Nespoli zu stehen.

Und der war ganz anders, als man sich einen Astronauten vorstellt. Er alberte herum, erzählte sehr persönlich von seinen Weltraum-Abenteuern. Zum Beispiel, dass man nur acht Minuten in den Weltraum braucht. Dass es beim Start in der Kapsel so eng ist, dass man die Beine anziehen muss. Und dass man nie eine Entscheidung allein trifft. „Wir sind keine Superhelden“, sagte Naspoli in seinem Vortrag. Viel mehr seien Astronauten Allrounder, die vielseitig begabt sein müssen. „Stell dir vor, du bist Mediziner und bist im All und dann geht die Toilette kaputt. Was willst du dann tun? Houston, wir haben ein Problem – habt Ihr einen Pümpel?“ Mit diesen und anderen Beispielen veranschaulichte er das Leben in der Schwerelosigkeit, sprach von seiner langjährigen Ausbildung und erklärte, was ihm im All besonders fehlte: „Pizza! Ich sah in den Wolken unter mir noch nur Pizzen.“

Der 18-jährige Cosmo Baganz war begeistert. „Ich finde es superspannend. Er ist überhaupt nicht abgehoben“, meinte der Schüler, der selbst gerne Astronaut werden würde und sich bereits für den Studiengang „Luft- und Raumfahrttechnik“ in München beworben hat.

Dann war es so weit. Die sechs Schüler konnten endlich ihre Fragen stellen. „Wie fühlt es sich an, wenn die Raumkapsel landet“, fragte einer. „Es fühlt sich an, als ob man sich in einem Fass die Niagarafälle herunterschmeißt. Nur, dass das Fass brennt.“ Erkälten könne man sich übrigens nicht, es sei denn, ein Astronaut hätte bereits Viren mit auf die Station gebracht. „Ich habe nichts geträumt im All. Aber morgens brauchte ich oft ein paar Sekunden, um mich zu orientieren, wo ich überhaupt bin“, erzählte Nespoli. Und wie schmeckt das Essen? „Man kann keine Spaghetti im All kochen. Das Essen wurde bereits vor mehreren Jahren gekocht“, erklärte er. „Aber es gibt zwischen 60 und 70 Geschmacksrichtungen. So ist für jeden etwas dabei.“

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