Keine Salznot beim Winterdienst - Kostenexplosion befürchtet

In Nordwestmecklenburg sind von November an bereits 1500 Tonnen Streusalz verbraucht worden. dpa
In Nordwestmecklenburg sind von November an bereits 1500 Tonnen Streusalz verbraucht worden. dpa

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12. März 2013, 05:03 Uhr

Trotz des überraschenden Wintereinbruchs mit viel Eis und Schnee sind die Straßenmeistereien im Nordosten gut gerüstet. „Wir haben Streusalz immer für fünf Tage vorrätig und bestellen laufend nach“, sagte Marko Wulff, Chef der Kreisstraßenmeisterei Nordwestmecklenburgs, am Dienstag in Grevesmühlen. „Es gibt keinen Engpass.“ Auch andere Regionen haben noch genügend Tausalz in Silos und offenen Lagern, das für jeweils mehrere Tage Winterdienst ausreicht. „Es gibt keine Lieferprobleme“, teilte ein Sprecher des Kreises Ludwigslust-Parchim mit.

Allerdings laufen den Kommunen angesichts des langen Winters die Kosten aus dem Ruder. In Nordwestmecklenburg seien von November an bereits 1500 Tonnen Streusalz verbraucht worden, die fünffache Menge der sonst üblichen, sagte Kreissprecherin Petra Rappen in Wismar.

„Das geht ordentlich ins Geld.“ Hinzu kämen mehr Straßenschäden, die erst mit Beginn des Tauwetters sichtbar würden. Die Meteorologen haben frostige Temperaturen für Mecklenburg-Vorpommern noch bis zum Wochenende vorausgesagt.

Problematisch für das Freihalten der Straßen im Norden wirkt sich ein Mangel an Schneezäunen aus. In Nordwestmecklenburg etwa wären 700 Kilometer Drahtgeflecht notwendig, sagte Marko Wulff. Vorhanden seien aber nur 2 Kilometer Schneezäune. Am Vortag war es an der Küste und auf der Seenplatte zu teils meterhohen Schneeverwehungen auf einigen Straßen gekommen.

Einige Straßenmeistereien hatten Schneezäune teilweise sogar schon wieder abgebaut, weil Landwirte bei den frühlingshaften Temperaturen der vorigen Woche zum Düngen auf ihre Felder wollten. Vielfach seien Schneefangzäune für die Kreise aber einfach zu teuer, hinzu käme häufiger Diebstahl der Metallgitter, hieß es.

Ständig nachgebunkert werde Streusalz derzeit in den fünf Straßenmeistereien Südwestmecklenburgs, sagte Kreissprecher Andreas Bonin. Die Vorräte von knapp 500 Tonnen für Ludwigslust-Parchim reichten drei bis vier Tage. Allerdings werde der Winterdienst dieses Jahr viel teurer als in der Vergangenheit. „Die Kosten haben sich aufgrund der langanhaltenden Winterwitterung erhöht.“
Auch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sei der Winterdienst unbegrenzt abgesichert, sagte Herbert Fitze vom Bauamt in Waren.

Aktuell umfassten die Salzvorräte des Kreises rund 450 Tonnen und reichten noch zehn Tage aus. Nachlieferungen seien jederzeit möglich.

Um Verständnis für die Winterdienste hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) geworben. Vorrang beim Räumen hätten immer Fern- und Bundesstraßen, sagte Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa in Hamburg. „Wenn es den ganzen Tag durchschneit, kann nicht das gesamte Straßennetz eines Bundeslandes ununterbrochen freigehalten werden.“

Als ausreichend schätzt der ADAC den Maschinenpark in Mecklenburg-Vorpommern ein: Für mehr als 7000 Kilometer Straßen, darunter 500 Kilometer Autobahnen, stünden landesweit gut 750 Streu-, Räum- und Transportfahrzeuge sowie 470 Schneepflüge zur Verfügung. Die Straßenmeistereien beschäftigten gut 720 Mitarbeiter, erklärte der Sprecher.

Schneezäune erhöhten zwar die Verkehrssicherheit, seien aber teuer und nur stellenweise sinnvoll, betonte Hieff. Kontraproduktiv könne ihr Einsatz in Regionen mit stark wechselnden Winden sein: Auf der falschen Straßenseite aufgebaut, staue ein solcher Zaun den Schnee auf der Fahrbahn zu hohen Wehen auf, anstatt ihn abzuhalten.

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