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Vor 20 Jahren : Keine Ruhe für den Regierungschef

vom

Am 19. März 1992 wählte der Landtag Berndt Seite (CDU) zum neuen Ministerpräsidenten. Für Seite folgten sechseinhalb hektische Jahre: "Es war ein permanentes Ringen, wir sind ja nie zur Ruhe gekommen.

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erstellt am 16.Mär.2012 | 08:55 Uhr

Schwerin | Vor genau zwanzig Jahren wurde in Mecklenburg-Vorpommer die erste schwere politische Krise nach der Wiedervereinigung beendet. Am 19. März 1992 wählte der Landtag Berndt Seite (CDU) zum neuen Ministerpräsidenten. Zuvor hatten die Christdemokraten den von ihnen gestellten Regierungschef Alfred Gomolka nach nur 17 Monaten Amtszeit gestürzt. Für Seite folgten sechseinhalb hektische Jahre: "Es war ein permanentes Ringen, wir sind ja nie zur Ruhe gekommen." Heute ist er nicht sicher, "ob ich das Amt übernommen hätte, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt."

Es war die ungeregelte Zukunft der Werften in Mecklenburg-Vorpommern, die Gomolka zu Fall brachte. Auch Seites Amtszeit beherrschte das Thema und sprengte 1996 fast die damalige Koalition mit der SPD. Der Bremer Vulkan lenkte 850 Millionen Fördergelder in seine westdeutschen Konzernkassen, obwohl das Geld für seine Werften in Mecklenburg-Vorpommern bestimmt war. CDU und SPD stritten, wie das Debakel zu heilen war.

Zu dem Zeitpunkt hatte Seite bereits andere Krisen überstanden. Kaum im Amt, brannte in Rostock-Lichtenhagen das Asylbewerberheim, angezündet von einem ausländerfeindlichen Mob. Behörden und Polizei hatten versagt. Seites Innenminister Lothar Kupfer (CDU) musste den Hut nehmen, weil er seinen Teil der politischen Verantwortung nicht annehmen wollte. Auch Umweltministerin Petra Uhlmann (CDU) musste 1993 gehen. Von ihr geschlossene Verträge zum Betrieb von Europas größter Sondermülldeponie auf dem Ihlenberg ließen einer Privatfirma Millionengewinne und dem Land die Sanierungskosten.

In Seites Amtszeit wurden zudem die erste Kreisgebietsreform verabschiedet, die Polizei neu organisiert, die Hochschulen neu geordnet - und zahlreiche Gesetze ans bundesdeutsche Recht angepasst. Das Regieren wurde für Seite nicht leichter, als hinter den Kulissen die SPD ein Bündnis mit der PDS vorbereitete.

Der studierte Tierarzt Seite versuchte, den Kontakt zu den Bürgern zu halten. Manchmal rief er zufällig aus dem Telefonbuch herausgesuchte Nummern an. Die überraschten Angerufenen fragte er nach ihren Wünschen, Sorgen und Nöten und diskutierte mit ihnen über seine Politik. Auch besuchte er an Sonntagen den Gottesdienst in unterschiedlichen Gemeinden, um hinterher mit den Kirchgängern ins Gespräch zu kommen.

Bei der Landtagswahl 1994 holte die CDU mit Seite an der Spitze ihr bislang zweitbestes Ergebnis seit der Wiedervereinigung. 1998 aber verlor er die Wahl und zog sich sofort aus der ersten Reihe der CDU zurück. 2002 schied er auch als Abgeordneter aus dem Landtag aus. Er ist jedoch immer noch CDU-Mitglied. "Das ist meine Partei", sagt Seite.

Inzwischen ist er viel gereist und betätigt sich als Schriftsteller. Bücher mit Prosa wie mit Gedichten sind bereits erschienen. "Die Rampe oder An der Lethe wachsen keine Bäume" wird sein nächstes Werk heißen. Es handelt auch von seinem früheren Leben - "aber nicht von dem als Ministerpräsident".


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