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Weihnachten im Knast : Keine Pakete, dafür Ente

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

1200 Gefangene begehen Fest hinter Gittern / Für 20 von ihnen endet Haftzeit mit Weihnachtsamnestie

von
erstellt am 16.Dez.2014 | 07:43 Uhr

In den fünf Gefängnissen des Landes steht die schwierigste Zeit des Jahres an: Weihnachten. Danny aus Schwerin sitzt in der Jugendanstalt Neustrelitz und hat seinen Haftraum dekoriert. „Das Gesteck habe ich selbst gebastelt. Ich habe das noch nie zuvor gemacht“, gibt der junge Mann stolz zu. Sein Haftraumnachbar war vergangenes Wochenende dabei, als der Chor und die Klavierschüler der Jugendanstalt vor ihren Familien ein Weihnachtskonzert gaben.

Laut Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) setzen die 800 Bediensteten und Seelsorger in den fünf Haftanstalten alles daran, dass den 1200 Inhaftierten die Möglichkeit zur Besinnung gegeben wird. Doch Geschenkpakete von zu Hause oder gar Familienbesuche im Heimatort sind nicht erlaubt. Die Besucher können in den Anstalten Geschenke für ihre Angehörigen kaufen. Nur wenige Gefangene im offenen Vollzug Stralsund dürfen Weihnachten bei ihren Familien verbringen. Für 20 Inhaftierte im Land endete dank der Weihnachtsamnestie die Zeit in Haft vorzeitig.

Die einzige Lockerung sind großzügigere Aufschlusszeiten, in denen der Haftraum verlassen werden darf. In diesen Zeiten veranstalten die Gefängnisse Skat, Dart- und Tischtennisturniere. Die Besuchszeiten wurden erweitert. Ein Insasse in Bützow freute sich: „Ich habe meine Familie seit Monaten nicht mehr gesehen.“ In den vergangenen zwei Wochen gab es in der Justizvollzugsanstalt Bützow Adventsveranstaltungen mit kleineren Stationsfeiern und einer zentralen Weihnachtsfeier für 25 Gefangene und ihre Familien. Sogar Anstaltsleiter Jörg-Uwe Schäfer griff in die Tasten und begleitete Weihnachtslieder auf dem Klavier.

Wie in Bützow, so hat auch die JVA Neubrandenburg jede Station geschmückt. Für Freitag ist ein Weihnachtskonzert geplant. Auf dem Stralsunder Freistundenhof hat bereits der Rügener Posaunenchor ein Adventskonzert gegeben. In der JVA Waldeck dürfen Gefangene sogar kleine Weihnachtsbäume in ihre Hafträume stellen.

Die Seelsorger haben jetzt Hochkonjunktur. Allein in Bützow hat Pastor Preuß über Weihnachten sieben Gottesdienste geplant. Dank Spenden können auch in der JVA Waldeck kleine Geschenke verteilt werden. In Stralsund hat der Rotary Club 600 Euro gespendet für kleine Überraschungen. Für Justizministerin Kuder ist gerade der seelsorgerische Einfluss auf die Inhaftierten zur Weihnachtszeit nicht zu unterschätzen. „Es ist eine Zeit, in sich zu gehen, zu reflektieren, wohin sich das Leben bewegen sollte. Die meisten Menschen, auch in den Gefängnissen, werden sich in diesen Situationen ein straffreies, gesellschaftsintegriertes Leben vornehmen. Und wenn es von ihnen auch einige umsetzen, hatte die Besinnung Erfolg“, so Kuder.

Zu Heiligabend gibt es Kartoffelsalat, Bockwurst, Erbseneintopf oder Fisch. Am ersten Weihnachtstag bereiten die Küchen fast einheitlich Entenkeulen mit Klößen und Rotkohl. Kuder: „Auch wenn es einmal im Jahr Ente gibt, so ist den Gefangenen zum Weihnachtsfest trotzdem die Freiheit genommen.“

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