Ausbildung zum Bootsbauer : „Keine Joghurtbecher fürs Wasser“

Vor seiner Ausbildung machte der 18-Jährige bereits ein Praktikum in einer Tischlerei.
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Vor seiner Ausbildung machte der 18-Jährige bereits ein Praktikum in einer Tischlerei.

Konstruieren, schreinern, malern: Dennis Harms wird Bootsbauer. Wichtigster Werkstoff im Traditionsbetrieb ist Holz.

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13. März 2016, 09:00 Uhr

Dennis Harms spannt ein Stück Holz in den Schraubstock. Dreht sich um, kramt in einer Schublade und holt einen Hobel heraus. Behutsam streicht er mit den Fingerspitzen über das eingeklemmte Holzstück, bevor er beginnt es zu bearbeiten. „Ich liebe diesen Werkstoff“, sagt er leise und lächelt verschmitzt. Von Holz hat der 18-Jährige Ahnung. In der Plater Bootsbauerei Schubert macht Harms eine Ausbildung zum Bootsbauer.

Schon immer wollte Dennis Harms mit den Händen arbeiten. Sich schmutzig machen. Zupacken. „Und Ergebnisse sehen. Es entsteht immer ein tolles Produkt“, schwärmt der junge Mann. Seine Liebe zum Holz entdeckte Harms schon früh. In der Schulzeit absolvierte er ein Praktikum in einer Tischlerei. „Dann wurde ich von Bekannten angesprochen, ob der Beruf des Bootsbauers nichts für mich wäre – und was soll ich sagen, es ging schnell. Beworben, vorgesprochen und angefangen“, erinnert er sich. Heute ist Harms bereits im dritten Lehrjahr. „Und es macht immer noch unglaublich Spaß.“

Ausbildung zum Bootsbauer

  • Dauer der Ausbildung: 3,5 Jahre
  • Art der Ausbildung: Duale Ausbildung (Betrieb und Blockunterricht)
  • Ausbildungsvergütung: 420 bis 830 Euro (Brutto)
  • Einstiegsgehalt: 1700 bis 2100 Euro (Brutto)

Nichts Schöneres kann sich auch sein Chef Martin Krebs vorstellen. „Schon als Kind war ich begeistert vom Wasser und von Booten.“ Seit 2013 ist der 29-Jährige Geschäftsführer der kleinen Bootsbauerei. Zunächst noch gemeinsam mit dem Inhaber Jürgen Schubert, seit 2015 allein. „Wir legen hier viel Wert auf Tradition. Wir bauen keine Joghurtbecher fürs Wasser“, witzelt Krebs. Denn das sei das Schlimmste für ihn, „keine Identität mehr zu haben.“ Das Unternehmen ist spezialisiert auf den Bau und die Wartung von Booten und Yachten, die bis zu sieben Metern lang sind. Zwischen sechs und zehn baut Krebs mit seinen neun Angestellten jährlich. Für eins brauchen sie zwischen sechs und zehn Wochen. „Mehr Aufträge werden nicht angenommen. Wer ein traditionelles Boot aus Holz, keine Massenproduktion, haben will, muss eben auch mal ein paar Monate warten“, so Krebs. Natürlich könne er bei hoher Auftragslage mehr Mitarbeiter einstellen, nur wolle er es nicht. „Profit ist nicht alles und läuft es mal nicht so gut, müsste ich sie nach ein paar Monaten, wenn alles abgearbeitet ist, entlassen.“ Das käme nicht infrage. Die Bootsbauerei am Störkanal soll ein Familienunternehmen bleiben, erklärt der Geschäftsführer.

Und dass das Konzept nach nun mehr 26 Jahren immer noch aufgehe, bestätigt die Auftragslage. „Wir nehmen jetzt bereits Aufträge für kommendes Jahr an – dieses Jahr geht nichts mehr“, freut sich Krebs. Und die Boote werden nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern verkauft. Nein. „Sie gehen sogar über die deutsche Grenze hinaus.“ Der Plater Bootsbaubetrieb präsentiert sich außerdem auf Messen wie der „Boot“ in Düsseldorf. „Gerne stehe ich zwischen den anderen mit ihren Joghurtbechern und zeige unsere Modelle“, sagt er. Die Variant 707 und die 606 wurden von Firmengründer Jürgen Schubert gezeichnet und auch konstruiert. „Uns macht keiner etwas vor – wir brauchen nicht viel Schnickschnack, uns reicht Holz und das gute alte Handwerk“, sagt er mit strahlenden Augen.

Und eben dieses Handwerk will Martin Krebs weitergeben. Dennis Harms konnte er definitiv dafür begeistern. Im Sommer wird Krebs einen neuen Auszubildenden einstellen. Noch ist er auf der Suche nach dem richtigen Kandidaten. Die dreieinhalbjährige Ausbildung findet im dualen System statt. Ein Teil im Ausbildungsbetrieb in Plate, ein Teil in der Berufsschule in Travemünde. Eine Weiterbildung zum Bootsbaumeister wird hier ebenso angeboten. „Vielleicht mache ich die auch noch – aber alles nacheinander“, sagt Harms und löst das Stück Holz aus der Klemme. Streicht noch einmal behutsam darüber. „Nun ist es eben genug“, sagt der angehende Bootsbauer lächelnd.

Typisch Seemann: Eine kleine Begriffskunde

„Schalken“

„Schalken“ hat nichts mit dem Fußballverein zu tun, sondern ist ein Seemannswort. Es bezeichnet den Vorgang, etwas wasserdicht zu schließen.

„Limettendampfer“

Englische Schiffe wurden früher scherzhaft „Limettendampfer“ genannt. Die Besatzung musste nämlich Zitronensaft trinken, um der Vitaminmangelkrankheit Skorbut vorzubeugen.

FLIP“-Schiff

Man kann das sogenannte „FLIP“-Schiff durch das Befüllen von Tanks von der normalen, horizontalen Lage in die senkrechte bringen. FLIP steht für Floating Instrument Platform.

„Hafenlümmel“

Wenn jemand in Hamburg „Hafenlümmel“ sagt, ist nicht der Bootsbaulehrling gemeint. Ein Hafenlümmel ist ein Gericht, das aus Wurst und Pommes rot-weiß besteht.

Katzen

Viele Seemänner sind der Meinung, dass eine Katze auf dem Schiff Glück bringt.

„Drei Segel im Wind sein“

Der Ausdruck „Drei Segel im Wind sein“ bedeutet, dass alle drei Segel gesetzt werden. Dadurch schwankt das Schiff  wie ein betrunkener Seemann.

„Donnerbräu“

Als „Donnerbräu“ wird ein starkes, meist alkoholhaltiges Getränk bezeichnet.

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