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Anwalt verteidigt Nico S. : Keine Chance mit Wattebausch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anwalt: Gesuchter Nico S. im Ausland abgetaucht

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Nach der umstrittenen Polizeiaktion von Lutheran hat der Anwalt des gesuchten Straftäters Nico S. Informationen aus Sicherheitskreisen zurückgewiesen, sein Mandant sei wegen einer Straftat mit Todesfolge verurteilt worden. „Mein Mandant hat weder einen Toten auf dem Gewissen noch wurde er je wegen rechtsextremer Delikte verurteilt“, stellte Rechtsanwalt Benjamin Richert klar. Zwar wurde wohl in Ansätzen ermittelt, doch erfolglos.

„Gewiss hat er schon szenetypische Gewalt angewendet“, räumte Richert ein. „Aber mit Wattebäuschchen kommen Sie im Milieu nicht weit.“ Richert verwahrt sich gegen „Versuche der Sicherheitsbehörden“, das „unbestreitbare Fehlverhalten“ des Hamburger mobilen Einsatzkommandos (MEK) zu relativieren. „Selbst wenn Nico S. einschlägiger Rechtsextremist wäre, ändert das nichts an der Kommandoaktion, die völlig unverhältnismäßig war und ohne Not Unbeteiligte gefährdete.“ Auch wenn er solche Ansichten nicht teile, so gebe es in Deutschland kein Gesinnungsstrafrecht, das erlaubte, Rechtsextreme härter ranzunehmen als andere Bürger.

Ausdrücklich distanzierte sich Richert von Solidaritätsadressen, wie sie gestern der Parchimer Pegida-Ableger verbreitete. „Mit solchen Kreisen habe ich nichts am Hut.“ Stattdessen erneuerte er scharfe Kritik an den Ermittlern. Eine Woche nach den Ereignissen habe die Schweriner Staatsanwaltschaft weder Mitarbeiter des Fleischerladens am Tatort noch den verletzten Beifahrer des Pickups vernommen.

Die Staatsanwaltschaft beteuerte gestern, die Ermittlungen liefen vorurteilsfrei und auf Hochtouren, erste Zeugen seien vernommen, weitere würden folgen.

Nico S. ist derweil laut Richert schon mehr als zwei Monate „außer Landes“. Er hatte vergeblich Haftaufschub beantragt. Sein Abtauchen sei aber keine Straftat, sondern gleichzusetzen etwa mit nicht fristgerecht gezahlten Steuern oder Verweigerung ähnlicher behördlicher Anordnungen, „ohne dass jedes Mal eine Zugriffsaktion erfolgt, die einem Antiterroreinsatz gleicht“. Erklärlich sei die Kommandoaktion, weil sein Mandant bereits mehrfach Attacken des Hamburger MEK ausgesetzt gewesen sei. Gegen die „überharte und unverhältnismäßige Vorgehensweise“ Hamburger Polizisten habe sich Nico S. zweimal erfolgreich juristisch gewehrt. Deshalb liege der Verdacht nahe, das MEK führe einen „einseitigen Privatkrieg“. So soll laut Richert der MEK-Einsatzleiter, „ein Rambo-Typ“, per Hubschrauber nach Lutheran eingeflogen sein. „Was diese Verschwendung von Steuergeld rechtfertigt, muss mir mal jemand erklären“, erregte sich der Anwalt. Seine Bemühungen, eine Haftübergabe gegebenenfalls außerhalb Hamburgs zu organisieren, seien bisher am Desinteresse der Hamburger Polizei gescheitert.

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