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Neue Regeln für Traditionssegler : Keine Abstriche bei der Sicherheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue Richtlinie des Bundesverkehrsministeriums für Traditionssegler sorgt weiter für Aufruhr. Kein Einlenken der Bundespolitik in Sicht

von
erstellt am 01.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Der Norden morst S.O.S.: Das Bundesverkehrsministerium will noch in diesem Frühjahr eine neue Sicherheitsrichtlinie durchsetzen, nach der in die Jahre gekommenen Traditionsschiffe die gleiche Sicherheit bieten sollen wie moderne Passagierschiffe. In der Konsequenz muss ein Teil der Kutter, Dampfschiffe und Windjammer aufwendig umgebaut und beispielsweise mit neuen Ankerketten oder Treppen ausgestattet werden. Die Kosten, die dadurch entstehen, trieben die Betreiber in den finanziellen Ruin – sagen die Betreiber.

Die norddeutschen Bundesländer lehnen sich gegen die Vorlage des Bundesverkehrsministeriums auf. Auch SPD und CDU in MV hatten in der Vergangenheit beantragt, bei der Debatte um höhere Sicherheitsrichtlinien, Ausnahmen für Traditionsschiffe zu erlassen. Der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU) kann den Aufruhr nicht verstehen: „Der Entwurf ist das Ergebnis eines Diskussionsprozesses, an dem alle Parteien beteiligt waren, die jetzt aufschreien.“ Der aktuelle Entwurf sei bereits ein großer Kompromiss. Bei dem Thema Sicherheit dürfen keine Abstriche gemacht werden. „Die EU-Kommission muss nur noch ihren Haken hintersetzen“, so Rehberg. Die Gefahr, dass die Traditionsschiffe mit Inkrafttreten der Verordnung auf Grund gesetzt werden, sieht der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion nicht. Schließlich stünden sie unter Bestandsschutz.

Es regt sich der Protest gegen die geplanten Richtlinien. Bereits mehr als 2480 Menschen gaben in einer Online-Petition ihre Stimme gegen das Vorhaben ab.

Die Kritik bleibt. Unrealistische Bauvorschriften und die Verschärfung der Vorschriften für die Ehrenamtlichen an Bord stehen dabei im Zentrum. Traditionelle Segler wie die „Santa Barbara Anna“, die derzeit im Rostocker Hafen liegt und von dem Verein Bramschot betrieben wird, fahren keine Gewinne ein und können nur durch den Trägerverein im Hintergrund und das freiwillige Engagement der Helfer an Bord bestehen. „Wir benötigen im Jahr etwa 80 000 Euro, um das Schiff am Leben erhalten. Dazu werden ehrenamtlich 18 000 bis 19 000 Arbeitsstunden geleistet. Ohne den Idealismus der Ehrenamtler wäre der Erhalt der Traditionssegler nicht realisierbar“, sagt der Vereinsvorsitzende Olaf Kalweit. Doch genau diese Ehrenamtler werden mit der neuen Verordnung zur Kasse gebeten, bemängelt er. „Häufig sind die Seeleute schon Rentner. Sie müssten künftig jedes Jahr ihre Seetauglichkeit nachweisen – wie sonst nur Berufsseeleute. Das ist teuer“, erklärt er. „Hinzu kommt, dass einige Crewmitglieder ihre Seetauglichkeit nicht mehr attestiert bekämen. Wer soll die Schiffe dann fahren?“

Die Hanse Sail in Rostock sei laut Sail-Chef Holger Bellgardt nicht in Gefahr. „Nein, denn sie ist ein internationales Treffen traditioneller Schiffe. Sie verliert aber wesentlich an Attraktivität, wenn Schiffe unter deutscher Flagge nicht mehr teilnehmen, weil sie stillgelegt wurden“, kommentiert er. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) will den Prozess weiter beobachten und sich gegebenenfalls mit anderen Stadtoberhäupter intervenierend zusammenschließen. „Die Hanse Sail lebt von ihrer Vielfalt und Oldtimer sind keine Segelyachten, insofern müssen hier auch andere Maßstäbe gelten“, sagt er.
 

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