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Laufhallen-Brand in Schwerin : Kein Urteil in Sicht

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Etwa ein Jahr nachdem die Schweriner Laufhalle völlig ausgebrannt ist, steht jetzt ein 22-jähriger Mann vor Gericht und muss sich verantworten. Doch die Beweislage ist dünn, sodass sich der Prozess länger hinzieht.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 05:55 Uhr

Schwerin | Die Nachricht vom Brand der Laufhalle verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Vom Schweriner Olympiastützpunkt am Lambrechtsgrund schlugen die Flammen hoch in den Himmel. Bis zum rund 10 Kilometer entfernten Dreesch sollen die Rauchschwaden zu sehen gewesen sein. Das war am 24. März 2012. Nur wenig später nahm ein Gutachter unter die Lupe, was von dem gut 100 Meter langen Gebäude noch übrig war. Er stellte zwei Brandherde fest. Spätestens da war klar: Hier war ein Feuerteufel am Werk. Die fieberhafte Suche nach dem Übeltäter begann. "Wir ermittelten in alle Richtungen", sagte die Polizistin, die im Vorjahr die Untersuchungen leitete, gestern als Zeugin beim Prozess im Schweriner Landgericht. Litt die Betreibergesellschaft im Lambrechtsgrund finanzielle Not? Schließlich schätzten Sachverständige den Brandschaden auf rund drei Millionen Euro. Klamme Kassen und Hoffnung auf Gelder aus der Versicherung wären schließlich ein Motiv. Doch kein Hinweis, der solcherlei Vermutungen bestätigte. Zwei ehemalige Mitarbeiter wurden befragt, die kurz zuvor entlassen wurden. Rache? Beide hatten hieb- und stichfeste Alibis.
Geschadet hatte der Brand unter anderem Mecklenburgs Olympiahoffnung Martina Strutz. Der Stabhochspringerin, Vize-Weltmeisterin von 2011, kamen wertvolle Sportgeräte und eine Vorbereitungsstätte für die Spiele in London abhanden. War das Absicht? Nichts, was einen solchen Verdacht erhärten würde. Am frühen Morgen des Tattages trainierten in der angrenzenden Mehrzweckhalle neun Fußballer. Sie blieben zum Glück völlig unversehrt. Auch ihre Befragung als Zeugen ergab: Nichts. 16 verschiedene Richtungen hatten die Ermittler verfolgt. Doch knapp ein halbes Jahr nach dem aufsehenerregenden Brand immer noch: Nichts. "Wir haben zwischenzeitlich schon mal überlegt, ob wir die Ermittlungen einstellen sollen", sagte die Zeugin. Doch das hätten wohl weder Staatsanwaltschaft noch Polizei der Öffentlichkeit erklären können.

Ende August kommt dann plötzlich frischer Wind in die zu erlahmen drohende Tätersuche. Ein junger Mann meldet sich bei der Polizei, der etwas von anderen gehört hat. Und zwar, dass ein 22-Jähriger vor Altersgefährten mit der Tat geprahlt habe. Nur einen Tag später wurde Robert M.* erstmals als Beschuldigter vernommen, dann wieder laufen gelassen.

Erst zwei Monate später, Ende Oktober, wird er festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Tat hat er bis heute nicht gestanden. Im Prozess gegen ihn, der im April begann, schweigt er auf Anraten seiner Verteidiger. "Das war ich nicht", hat er der Polizistin zufolge bei seiner Festnahme gesagt. Aber offenbar zugegeben, dass er eine "Spaßgeschichte" erzählt hat. Ob er denn nun merke, dass er sich mit der vermeintlich lustigen Geschichte in gehörige Schwierigkeiten gebracht habe, wollte die Polizistin damals von ihm wissen. "Das merke ich gerade. Die Anschuldigungen schockieren mich", habe M. geantwortet. "Aber er wirkte nicht schockiert", erinnert sich die Polizistin im Zeugenstand. Sie habe ihm nicht geglaubt. Zumal er bei der vermeintlichen Prahlerei "Täterwissen" offenbart habe.

Eine Videoaufzeichnung der Diskothek "Achteck", die sich nur einen Steinwurf von der Laufhalle entfernt befindet, zeigt der Staatsanwaltschaft zufolge den 22-Jährigen auf dem Weg in Richtung des späteren Brandortes. Er habe die Disko am frühen Morgen als einer der Letzten verlassen und sein Fahrrad holen wollen, das er dort abgestellt hatte - so seine Begründung in der polizeilichen Vernehmung.

Sowohl Verteidigung als auch Anklagevertreter wunderten sich gestern über das knappe Protokoll, das nach offenbar stundenlangem Verhör angefertigt wurde. "Das wirkt extrem wortkarg", sagt der Staatsanwalt. "Eher eine Zusammenfassung", erklärt die Zeugin. Sie habe jedenfalls nichts Wichtiges weggelassen.

Die Verteidiger Ullrich Knye und Ralph-Oliver Schürmann halten ihren Mandanten für unschuldig und die Beweislage für dünn. Es sollte eben unbedingt ein Verantwortlicher für den spektakulären Brand präsentiert werden, mutmaßen sie. "Er war es nicht. Das glauben wir ihm", hatte Knye schon zu Prozessbeginn gesagt. Die Polizistin soll Mitte Juni erneut als Zeugin gehört werden. Wann in diesem Indizienprozess ein Urteil gesprochen werden soll, ist derzeit noch völlig unklar.

*) Name geändert

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