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„Schwarze Schar“ : Kein Kampfmesser – 35 Euro Strafe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Harter Waffen-Codex der „Schwarzen Schar“ / Gestern Razzia bei ehemaligen Mitgliedern der verbotenen Rockergang

von
erstellt am 06.Mai.2014 | 22:00 Uhr

Für die Schweriner Staatsanwaltschaft war die gestrige Razzia bei Mitgliedern der ehemaligen Rockergang „Schwarze Schar“ ein voller Erfolg. Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek: „Bei den Durchsuchungen konnten 28 Messer, eine scharfe Schusswaffe, sieben Schreckschuss- und Luftdruckwaffen sowie weitere gefährliche Gegenstände sichergestellt werden.“ 50 Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) waren im Einsatz.

Gegen elf Mitglieder der ehemaligen Rockervereinigung aus Gägelow bei Wismar hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Verdacht: Bildung einer bewaffneten Gruppe. Der Präsident der Rockertruppe, Philip Schlaffer, und weitere seiner Mitstreiter sollen nach Angaben der Ermittlungsbehörde bis zur Auflösung der Gang verbotene Waffen gehortet haben.

Aus internen Vereinsunterlagen, die beim Verbot der „Schwarzen Schar“ im Januar beschlagnahmt worden waren, hätten die Ermittler unter anderem einen für alle Vereinsmitglieder verbindlichen Codex entdeckt. Danach waren die Rocker verpflichtet, bei Vereinsaktivitäten Messer bei sich zu führen. Wer seine Waffe vergaß, musste nach einem clubinternen Strafkatalog ein Bußgeld von 35 Euro zahlen, berichtete Oberstaatsanwalt Urbanek. Sollte es zum Prozess kommen drohen den Beschuldigten Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte im Januar den Rockerverein „Schwarze Schar MC Wismar“ und dessen Teilorganisation „Schwarze Jäger MC Wismar“ verboten, weil die Gang mehrfach in Gewaltdelikte verstrickt war. Das Vereinsheim „Zum Schwarzen Herzog“ wurde beschlagnahmt. Es war das erste Verbot eines Rockerclubs in Mecklenburg-Vorpommern.

Einer der Auslöser für das Verbot war eine Messerattacke in Hagenow. Der 25-jährige Christian G., Mitglied der Motorradgang, soll bei einem Fest in der Kleinstadt im Juni vergangenen Jahres einen Besucher niedergestochen und einen weiteren geschlagen haben. Einer der angegriffenen Männer habe sich zuvor über die Weste des Rockers lustig gemacht, daraufhin eskalierte die Situation in Hagenow.

Den Verein mit seinen am Ende 25 Mitgliedern gab es seit Ende 2008, er beansprucht Wismar als sein Territorium und gilt wie die „Hells Angels“ als gewaltbereite Rockergruppierung.

Viele der ehemaligen Mitglieder – wie Präsident Schlaffer – kommen aus der Wismarer Neonazi-Szene. Schlaffer gehörte der Kameradschaft „Werwolf“ in der Hansestadt an. 2006 sorgte ein Video für Aufsehen. Es zeigt spätere Mitglieder der „Schwarzen Schar“, wie sie aus einem rechtsextremen Szene-Shop heraus mit Baseballschlägern Mitglieder einer antifaschistischen Demonstration bedrohen.

 

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