Mecklenburg-Vorpommern : Kein Interesse an neuen Buslinien

Trotz der Liberalisierung des Fernbusverkehrs zum Jahresbeginn werden in Mecklenburg-Vorpommern derzeit keine zusätzlichen Linien angeboten. Bislang bekundete kein Busunternehmen Interesse.

svz.de von
04. Januar 2013, 11:32 Uhr

Rostock | Trotz Liberalisierung des Fernbusverkehrs zum Jahresbeginn werden in Mecklenburg-Vorpommern derzeit keine zusätzlichen Linien angeboten. Bislang bekundete kein Busunternehmen bei der zuständigen Genehmigungsbehörde in Rostock Interesse. "Einen neuen Antrag haben wir noch nicht", sagte der Direktor des Landesamts für Straßenbau und Verkehr, Wennemar Gerbens.

Der Bundestag hatte auf Initiative der schwarz-gelben Bundesregierung eine Gesetzesänderung beschlossen, die den privaten Fernbusverkehr innerhalb Deutschlands fördern soll. Bislang waren nur selten Linien genehmigt worden, um dem Bahnverkehr nicht zu schaden. Gut ausgelastete Busse sind jedoch ähnlich umweltfreundlich, weil die Bahn momentan auch mit Strom aus Kohlekraftwerken fährt. Eine Busfahrt ist in der Regel zwar weniger komfortabel, aber auch um einiges billiger.

Seit dem 1. Januar bekämen Busunternehmen "leichter eine Genehmigung", sagte Gerbens. Konkret gehe es um Strecken von mehr als 50 Kilometern, die mit der Bahn nicht innerhalb einer Stunde zurückgelegt werden können. "Die werden wir dann genehmigen", sagte der Chef des Landesamts. Wenn schwerwiegende Gründe dagegen sprächen, könne es aber Ausnahmen von dieser Praxis geben.

Bislang sei bei solchen Anträgen stets die Bahn angehört worden, die sich meist gegen die private Konkurrenz ausgesprochen habe. Die Anträge seien in der Regel dann auch "im öffentlichen Interesse" abgelehnt worden.

Das Infrastrukturministerium hält eine weitgehende Liberalisierung auch für problematisch. "Sollten Fahrgäste künftig einen Fernbus nutzen, der deutlich günstigere Fahrpreise hat, könnte dies dazu führen, dass die Deutsche Bahn Fernstrecken streicht", sagte eine Sprecherin. Der Fernverkehr der Bahn werde nicht öffentlich bezuschusst.

Das Ministerium sieht jedoch auch Vorteile nach der Gesetzesänderung. "Es könnten einzelne Direktverbindungen in Tourismusgebiete entstehen, die bislang nicht per Bahn günstig erreichbar sind", sagte die Sprecherin. Das nutze auch der Tourismuswirtschaft.

Mehrere Urlaubsorte im Land sind schon mit Fernbussen erreichbar, wie Landesamtsdirektor Gerbens sagte. Es gebe derzeit zwölf Linien von fünf Anbietern. Die meisten verbinden seinen Angaben zufolge Ferienorte auf Rügen mit den Städten Berlin, Dresden und Zwickau.

Auch die Ostseebäder Kühlungsborn und Rerik seien mit Fernbussen erreichbar.

Ob durch die Liberalisierung die Zahl der Fernbuslinien steigen wird, vermochte er nicht einzuschätzen. Dafür müsse die Entwicklung abgewartet werden. Möglicherweise hätten die Busunternehmen noch keine Anträge gestellt, weil das Gesetz erst am 19. Dezember veröffentlicht wurde.

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