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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 05:00 Uhr

Goldberg : Kein Geld für Einsturz-Opfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zehn Jahre nach Schuleinsturz: Immer noch Streit um Schadensersatz

Noch immer kämpft Sabine Brien aus Plau am See, nicht für sich selbst, sondern für ihren Sohn. Denn Bastian Brien und seine zwei älteren Geschwister mussten ohne Vater aufwachsen. Bastian war erst neun Jahre alt, als sein Vater Hans-Peter, beim Einsturz der Goldberger Walter-Husemann-Regionalschule am 13. August 2004 ums Leben kam. Der Bauunternehmer hatte damals die Statik missachtet, wie es in dem Gerichtsurteil heißt. Dafür wurde er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Doch bis heute hat die Versicherung des Verurteilten keinen einzigen Cent an die Angehörigen der Todesopfer gezahlt. „Es wird nie an die Angehörigen gedacht. Wir fünf haben alle jemanden verloren“, sagt Sabine Brien.

Viele Emotionen trägt die Mutter dreier Kinder noch heute mit sich. Doch ein Gefühl überwiegt nach zehn Jahren: Wut. „Es kann nicht sein, dass niemand an die Hinterbliebenen denkt.“ Dabei schaut sie ihren Sohn Bastian, ihren Jüngsten an. Heute ist er 19 Jahre alt, Mutter Sabine ist stolz auf ihn. Nach vielen schwierigen Jahren in der Schule hat Bastian dennoch seinen Weg gefunden. „Ich konnte ihm nicht das bieten, was wir ihm mit seinem Vater hätten bieten können. Nicht nur der Vater an sich hat gefehlt, sondern auch das Geld.“ Erschwerend hinzu kommt, dass Sabine Brien frühzeitig aufgrund einer chronischen Bronchialerkrankung in Rente gehen musste.

Auf einen Schlag änderte sich damals das komplette Leben der Familie aus Ganzlin. „Wir hatten eine Haushälfte, ein ruhiges Leben“, erzählt sie rückblickend. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Sohn in Plau am See, damals musste sie mit ihren Kindern aus dem Haus ausziehen.

Sabine Brien erinnert sich an den 13. August 2004, als wäre es gestern gewesen. „Mein Mann hatte einen Tag vorher Geburtstag. Schon an dem Tag hat er erzählt, dass es überall in dem Gebäudeteil der Schule knirscht und knackt – wie in einem Gruselhaus.“ Hans-Peter Brien wird nur 47 Jahre alt.Erst einen Tag nach dem Unglück – am 14. August – wurde ihr Mann in den frühen Morgenstunden in den Trümmern der Schule gefunden. „Ich habe am 13. August erst nachmittags durch einen Anruf davon erfahren, dass er vermisst wird. Ein Lehrer aus Ganzlin hat mich nach Goldberg gefahren. Immer, wenn die Spürhunde angeschlagen haben, habe ich neue Hoffnung gehabt. Aber je länger die Suche dauerte, umso mehr schwand die Hoffnung.“ Bis es gegen drei, vier Uhr morgens am 14. August 2004 Gewissheit wurde, dass Hans-Peter Brien neben vier weiteren Handwerkern sein Leben verloren hatte.

Auch zehn Jahre nach dem Schuleinsturz sind die juristischen Auseinandersetzungen noch nicht beigelegt. Zwei Firmen fordern von der Stadt Goldberg Schadensersatz.

Auch Sabine Brien kämpft noch um ihr Recht. Mittlerweile hat sich die Plauerin wieder Rechtsbeistand genommen. „Wo bleibt die Gerechtigkeit, frage ich mich manchmal.“ Doch Sabine Brien hofft, dass die Zürich Versicherung irgendwann zahlt.

Allerdings, bis gestern konnte kein Mitarbeiter der Versicherung etwas Genaues zum Fall um den Goldberger Schuleinsturz sagen.

 

 

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