Energiewerke Nord : Kein Gaskraftwerk bei Greifswald

Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks in Lubmin sollte das Gaskraftwerk entstehen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks in Lubmin sollte das Gaskraftwerk entstehen.

EWN ziehen sich komplett aus Projekt zurück – Hohe Kosten für Genehmigungsverfahren

svz.de von
23. Dezember 2014, 20:19 Uhr

Die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) geben ihre Pläne für ein Gaskraftwerk am ehemaligen Atomstandort Lubmin auf. Nach der Geschäftsführung hat jetzt auch der Aufsichtsrat beschlossen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Die energiewirtschaftliche Situation und die absehbaren weiteren Kosten des Genehmigungsverfahrens rechtfertigen keine weiteren Vorleistungen der EWN GmbH, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Corde.

Die Geschäftsführung hatte bereits zu Jahresbeginn einen weitgehenden Ausgabenstopp verhängt. Auf seiner letzten Sitzung hatte der Aufsichtsrat Ende November den Rückzug beschlossen. „Das Verfahren wird in Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden beendet“, sagte Cordes. Das von den EWN vorangetriebene Gaskraftwerksprojekt sollte anstelle des einst vom dänischen Energiekonzern Dong Energy geplanten Kohlekraftwerks entstehen. Nach Dongs Rückzug im Dezember 2009 hatten die in Lubmin ansässigen EWN die Planungsunterlagen übernommen und für ein 1800 Megawatt-Gaskraftwerk überarbeitet. Mit den ersten Teilgenehmigungen sollte dann auf Investorensuche für das Kraftwerk gegangen werden. Allerdings erwiesen sich schon die Anhörungen im Sommer 2013 als Hürden im Genehmigungsverfahren.

Die Behörden formulierten im Nachgang der Erörterungen eine 88-seitige Nachforderungsliste mit weiter offenen Fragen. In Lubmin landet die Ostseepipeline Nord Stream mit russischem Erdgas an. Die EWN hatten auf Synergien und die Schaffung von Industriearbeitsplätzen im strukturschwachen Vorpommern gesetzt. Insgesamt steckten die EWN eigenen Angaben Leistungen „in Höhe eines kleinen einstelligen Millionenbetrages“ in die Planungen. Dem Steuerzahler sei kein Schaden entstanden, sagte Cordes. Die Aufwendungen seien durch Vermögenswerte gedeckt, die Dong nach dem Rückzug des Kohlekraftwerksprojektes überlassen hatte. Das für das Gaskraftwerk vorgesehene Grundstück gehört weiter den EWN, kann aber bei Bedarf an Investoren verkauft werden, sagte Cordes. Derzeit ist ein großer Investor für den Standort am Hafen Lubmin nicht in Sicht. Auch EnBW, die ebenfalls ein Kraftwerk in Lubmin errichten wollten, verfolgen die Pläne derzeit nicht weiter.

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