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SPD und CDU uneins über Finanzierung : Kein Euro für Herzogskunst im Etat

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Die ehemalige Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin fordert, dass die Kunstwerke aus dem Besitz der Herzogsfamilie in Landesbesitz übergehen. Der Koalitionsausschuss beschäftigt sich heute Abend mit dem Thema.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2012 | 10:08 Uhr

Schwerin | Die ehemalige Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin, Kornelia von Berswordt-Wallrabe, erwartet von der Landesregierung, dass die 241 Kunstwerke aus dem Besitz der mecklenburgischen Herzogsfamilie, entgegen Ankündigungen aus der SPD-Fraktion, in Landesbesitz übergehen. Um den Erwerb ist inzwischen ein Streit zwischen SPD und CDU entbrannt. Zum zweiten Mal beschäftigt sich deshalb heute Abend der Koalitionsausschuss mit dem seit Jahren schwelenden Thema. Schon im Mai letzten Jahres gab es einen Auftrag aus dem Koalitionsausschuss an die Regierung, eine Erwerbs-Variante ohne den Tausch der Kunst gegen Landeswald vorzulegen.

Berswordt-Wallrabe antwortete gestern beim Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten auf die Verleihung des Verdienstordens des Landes durch Erwin Sellering (SPD) im vollbesetzten Mecklenburgischen Staatstheater: "Ich habe die große Zuversicht, dass die internationale Anerkennung der Kunstschätze des Landes, auch zu einer Wertschätzung im Land für die Kunst führt."

Die Kunst-Professorin sprach im Zusammenhang mit der Sammlung - Gemälde, Möbel, Porzellan, Kunsthandwerk und Waffen - gegenüber unsere Redaktion von "richtig großen Werten". Sie erinnerte daran, dass 1999 bei einer Versteigerung von bereits rückübertragenen Stücken beim Auktionshaus "Christie’s" in Amsterdam sehr "hohe Gewinne" erzielt wurden. Und das seien nicht die wichtigsten Werke gewesen. Damals sei nicht nur der europäische Adel versammelt gewesen, sondern auch viele Kunsthändler, die die Werke später mit großem Gewinn verkauften. Berswordts Nachfolger im Amt Dirk Blübaum spricht von "Landesgeschichte in Kunstwerken". Recherchen unserer Zeitung zufolge geht man bei "Christie’s" offenbar davon aus, dass bei Einzelversteigerungen der Stücke rund 9,7 Millionen Euro erzielbar wären. Die Kulturstiftung der Länder hatte empfohlen, die Kunstsammlung für maximal 7,9 Millionen Euro anzukaufen. Das wird durch Gutachten gestützt - plus 250 000 Verwaltungsgebühren. Laut Bildungsministerium hat die Kulturstiftung der Länder bereits etwas mehr als eine Million Euro für den Rückkauf bereitgestellt.

Es geht um 241 Kunstgegenstände, die die Herzöge von Mecklenburg über drei Jahrhunderte zusammentrugen. Die sowjetische Besatzungsmacht hatte die Gegenstände 1945 enteignet. Nach der Wiedervereinigung bekam Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solod koff den Familienbesitz zurück, überließ ihn bis 2014 dem Staatlichen Museum. Für die Zeit danach wollte das Land die Kulturgüter kaufen. 26 Stücke hatte sie Familie in den 90ern zurückerhalten. Abgegolten werden sollten die Kunstschätze nach einer Idee von Ex-Finanzministerin Sigrid Keler (SPD) u.a. mit 400 Hektar Wald bei Sternberg. Das scheiterte am politischen Widerstand aus der SPD. Keler wollte die Restsumme für den Ankauf aus dem Landeshaushalt bereitstellen. In der Regierungs-Kreisen heißt es jetzt, dass Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) für die Sammlung kein Geld zur Verfügung habe. "Jeden Euro, den der Minister zusätzlich in den Haushaltsverhandlungen bekommt, braucht er für Lehrer", sagt ein SPD-Politiker. Heute wollen SPD und CDU darüber verhandeln.

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