zur Navigation springen

Rund 600 Alteigentümer erhalten Land : Kein Acker-Ausverkauf

vom

Der von SPD und Linkspartei vor kurzem noch befürchtete Ausverkauf von preisgünstigem bundeseigenem Ackerland an Alteigentümer aus der Zeit vor 1945 findet in Mecklenburg-Vorpommern offenbar nicht statt.

svz.de von
erstellt am 24.Nov.2011 | 07:44 Uhr

Schwerin | Der von SPD und Linkspartei vor kurzem noch befürchtete Ausverkauf von preisgünstigem bundeseigenem Ackerland an Alteigentümer aus der Zeit vor 1945 findet in Mecklenburg-Vorpommern offenbar nicht statt. 866 Erben ehemaliger Gutsbesitzer haben bei der Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft (BVVG) beantragt, zum verbilligten Bodenpreis von 2004 Land kaufen zu können. Der Schweriner BVVG-Chef Johann Jakob Nagel rechnet damit, dass er dafür etwa 18000 Hektar Land bereitstellen muss. Da die Nordost-BVVG noch über 120000 Hektar verfüge, werde dies keinen nennenswerten Einfluss auf die Bodenpreise in MV haben, so Nagel.

Eigentlich sollten die durch die Bodenreform nach 1945 enteigneten Alteigentümer oder ihre Erben als eher symbolische Entschädigung bereits bis 2004 bevorzugt Land vom Bund kaufen können. In vielen Fällen versäumten es die Behörden allerdings, die notwendigen Unterlagen für die Alteigentümer rechtzeitig zu bearbeiten. Da die Bodenpreise inzwischen rasant stiegen, räumte der Bundestag mit dem Flächenerwerbsänderungsgesetz den ehemaligen Gutsbesitzern das Recht ein, auch jetzt noch zum Preis von 2004 zu kaufen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) wetterte über angebliche "Klientelpolitik in Reinkultur", durch die "seine" Bauern das Nachsehen hätten. Die Linkspartei haute noch derber in die Kerbe und sprach davon, dass "Bauernland wieder in Junkerland" gegeben werde.

Nicht alle 866 Anträge seien berechtigt, so BVVG-Chef Nagel. Möglicherweise werde die BVVG am Ende mit rund 600 Alteigentümern Kaufverträge über durchschnittlich 30 Hektar schließen. Während ihre aktuellen Ackerpreise bei durchschnittlich 12600 Euro liegen, wird die BVVG von den Alteigentümern im Schnitt 2500 Euro verlangen. Im Zuge der Bodenreform waren ab 1945 auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns 2200 Landeigentümer enteignet worden, die jeweils mindestens 100 Hektar besaßen.

Unterdessen birgt der Koalitionsvertrag von SPD und CDU beim Thema Bodenpolitik offenbar noch einigen Sprengstoff. Weil er unzufrieden damit ist, wie und zu welchen Preisen die BVVG ihre Flächen verkauft, will Agrarminister Backhaus (SPD) weiterhin deren hiesige Restflächen aufkaufen. Allerdings steht davon kein Wort im Koalitionsvertrag, wie CDU-Landtagsfraktionssprecher Wolfram Axthelm bestätigt. Gleichwohl vermied er die Formulierung, das Thema sei damit endgültig vom Tisch. Intern hatte die CDU nie einen Zweifel daran gelassen, was sie von den Landkauf-Plänen des Ministers hält: nichts. Ein Sprecher von Backhaus verwies darauf, Land und Bund hätten sich in diesem Punkt bislang nicht annähern können, weshalb der Landkauf verschoben, aber keineswegs aufgehoben sei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen