zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 22:37 Uhr

Theater Schwerin : Kehrtwende im Theaterstreit

vom

SPD-Fraktionschef Nieszery für Erhalt des Staatstheaters. Kabinett verschiebt Beschluss. Gramkow veranlasst Sonderprüfung

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Kehrtwende in der Landespolitik bei der drohenden Insolvenz des Mecklenburgischen Staatstheaters: Standen vor einer Woche die Zeichen noch auf Sturm, so waren gestern von Kultusminister Mathias Bordkorb (SPD) und seinem Parteifreund Norbert Nieszery plötzlich versöhnliche Töne zu hören. Der SPD-Fraktionschef im Landtag betonte dezidiert: „Wir lassen kein Theater pleitegehen.“ Brodkorb sagte nach der Kabinettssitzung am Vormittag: „Wir haben keine politischen Probleme mehr.“

Bei der Freigabe der 1,5 Millionen Euro Soforthilfe vom Land und für weitere Schritte zu einer gemeinsamen Theatergesellschaft gebe es zwar noch offene rechtliche Fragen, aber „am politischen Willen hängt es weder bei Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow noch bei uns“, sagte Brodkorb gestern. Noch vor einer Woche hieß es zur Landesbeteiligung und zur Theaterfusion mit Parchim vom Minister: „Die Risiken sind uns als Land nicht bekannt. Deshalb können wir nicht sagen, ob wir als Gesellschafter einsteigen werden.“

Woher der plötzliche Wandel kommt, wollte Brodkorb nicht erklären. Ihn erreichten stündlich neue Informationen und mit Schwerins Oberbürgermeisterin sei zudem vereinbart, dass die Landeshauptstadt eine externe Sonderprüfung im Bereich des Personals veranlasst. Bei einer betriebswirtschaflichen Prüfung des Theaters in Vorbereitung des Einstiegs des Landes als Gesellschafter sollen Fragen zu Sozialbeiträgen bei Sonderprämien und Honorarverträgen aufgetaucht sein.

Weil noch Fragen offen sind und weil bei der gestrigen Kabinettssitzung wichtige CDU-Minister wegen des CDU-Bundesparteitages fehlten, wurde die Entscheidung der Regierung zur Auszahlung der Sonderhilfen auf Donnerstagmorgen vertagt. Für heute Abend wurde eine Sondersitzung des Aufsichtsrates des Staatstheaters einberufen. Gramkow informierte gestern die Fraktionschefs der Stadtvertretung, dass am Montag eine Sondersitzung des Stadtparlaments notwendig werden könnte. Bei dem Finanzstreit zwischen Land und Landeshauptstadt geht es um das Defizit für die Jahre 2016 bis 2020. Es fällt nach Angaben des Staatstheaters 5,5 Millionen Euro höher aus als vom Land veranschlagt.

Vor der Kabinettssitzung hatten 50 Politiker der Linken und Mitarbeiter des Staatstheaters vor der Staatskanzlei demonstriert. Sie forderten eine sichere Zukunft für das Theater und die anderen Bühnen im Land. Am Kabinettsbeschluss hängen auch Sonderzahlungen für die Theater im Osten des Landes, die nun auch aufgeschoben sind.

Unterdessen wird die Lage an den Theatern immer verworrener: Nach Informationen der bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Ulrike Berger stellt das Land nicht nur gegenüber dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin neue Forderungen. Auch die Auszahlung der vollständigen Landesförderung für 2015 an die Mehrspartentheater stehe unter neuen Vorbehalten. Berger fordert eine umgehende Auszahlung. Diese Behauptung ließ Brodkorb von einem Sprecher zurückweisen. Es sei falsch, dass das Land bei der Auszahlung der letzten 10 Prozent der Theaterzuweisungen neue Auflagen vorgesehen habe. Zudem hätte die Theater- und Orchestergesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz die Gelder bereits abgerufen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen