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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 04:34 Uhr

Finanzlücke : Kaum Hilfe für Schuldner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten warnen vor Lücken in der Beratungslandschaft / Finanzlücke von knapp 400 000 Euro

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 20:45 Uhr

Die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberater hat vor gravierenden Lücken in der Beratungslandschaft Mecklenburg- Vorpommerns gewarnt. Der ständige Verweis der Landesregierung auf einen vermeintlich guten Betreuungsschlüssel könne nicht über die unzureichende Finanzausstattung der Beratungsträger hinwegtäuschen. Statt der kalkulierten 50 Prozent steuere das Land nur 41 Prozent zu den Gesamtkosten bei, beklagte die Verbandsvorsitzende Cornelia Zorn gestern in Golchen bei Schwerin anlässlich einer Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Landesarbeitsgemeinschaft.

Für dieses Jahr ergebe sich bei Wohlfahrts- und Sozialverbänden als Trägern der Schuldnerberatung landesweit eine Finanzlücke von knapp 400 000 Euro. Wegen des Kostendrucks seien bereits Beratungseinrichtungen geschlossen worden, die Zahl der Beraterstellen seit dem Jahr 2000 von 80 auf 64 gesunken. Zum Jahresende stelle auch die Diakonie in Schwerin die Schuldnerberatung ein. „Die Mietverträge für die Büroräume sind gekündigt, die Mitarbeiter auf Jobsuche“, sagte Siegfried Jürgensen, Leiter der Schuldnerberatung Lichtblick des Diakoniewerks Neues Ufer Schwerin. Statt eines notwendigen Beratungsnetzes für überschuldete Familien werde es nur noch Beratungsinseln im Land geben.

Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) sprach den Schuldnerberatern ihren Dank aus. In vielen Fällen könne Menschen geholfen werden, Wohnung oder Job zu retten und Familienprobleme wieder in den Griff zu bekommen. Hesse verwies darauf, dass das Land seine jährliche Förderung um 200 000 auf 1,8 Millionen Euro aufgestockt habe. Die finanzielle Ausstattung der Schuldnerberatung bleibe Thema, müsse aber im Zusammenhang mit allen sozialen Beratungsleistungen betrachtet werden. Die Landesregierung erhofft sich durch systematische Abstimmung von Familien-, Schuldner- und Suchtberatung mehr Effektivität.

Jürgensen nannte es einen Trugschluss, davon auszugehen, dass mit schrumpfender Bevölkerung und sinkender Arbeitslosenzahl auch der Bedarf an Schuldnerberatung zurückgehe. 2013 waren in MV laut Sozialministerium etwa 13 200 Beratungsfälle registriert worden, 550 weniger als im Jahr zuvor. Diese Entwicklung geht laut Jürgensen auf die Schließung von Beratungsstellen zurück. „Wo kein Büro mehr da ist, können keine neuen Fälle aufgenommen werden“, sagte er. Entgegen dem Bundestrend war die Überschuldung privater Haushalte in MV im ersten Quartal 2014 um 13 Prozent gestiegen. In allen anderen Ländern sank die Zahl der Privatinsolvenzen.

„Wenn Hilfe wegfällt, dann rollt auf das Land eine Welle von Prozesskostenbeihilfe und Verfahrenskosten zu“, warnte Jürgensen. Seinen Berechnungen zufolge könnte so bis zu sechs Millionen Euro im Jahr zusammenkommen.Die oppositionelle Linke war in der Vorwoche im Schweriner Landtag mit dem Vorstoß gescheitert, den Landesanteil an den Personalkosten bei 50 Prozent festzuschreiben und den Sachkostenzuschuss von 6100 auf 10 500 Euro pro Fachkraft aufzustocken. Sprecher der Koalition verwiesen darauf, dass im Land im Durchschnitt ein Berater auf 25 000 Einwohner komme. Nur drei Länder wiesen einen besseren Schlüssel auf.

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