zur Navigation springen

Handwerker in Dörfern : Kaum Chancen auf Lehrlinge

vom

Geeigneter Nachwuchs für die Berufsausbildung wird immer knapper. Lehrstellen sind im Landkreis Ludwigslust-Parchim und in ganz MV längst keine Mangelware mehr, dafür aber gute Schulabgänger.

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2012 | 12:04 Uhr

Hagenow/Ludwigslust | Geeigneter Nachwuchs für die Berufsausbildung wird immer knapper. Lehrstellen sind im Landkreis Ludwigslust-Parchim und in ganz Mecklenburg-Vorpommern längst keine Mangelware mehr, dafür aber gute Schulabgänger. "Wir erwarten in diesem Jahr eine weitere Verschärfung des Wettbewerbs um Auszubildende", sagt Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. Sorgen, die auch Hans-Werner Mrowiec von der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg-Süd teilt. Der Kreishandwerksmeister und Obermeister der Tischlerinnung ist sich sicher, dass in diesem Jahr noch mehr Stellen in der Region um Hagenow und Ludwigslust unbesetzt bleiben werden.

Die langfristige Folge: "Betriebe werden immer kleiner und leistungsschwächer, so dass Kunden künftig auf einen Handwerker warten müssen", befürchtet Mrowiec. Viele Ein- oder Zweimann-Betriebe könnten die Folge sein. Haben Handwerksunternehmen im Landkreis 2010 und 2011 zwischen 250 und 300 Lehrlinge eingestellt, dürfte es in diesem Jahr weiter rapide bergab gehen, so der Tischlermeister. Um die 20 Prozent weniger Vertragsabschlüsse erwartet er für 2012. Das Problem: Es gebe kaum - und vor allem geeignete - Bewerber.

Auch sein Schreibtisch ist in diesem Jahr bislang leer geblieben. Immer weniger Schulabgänger bedeuten eben immer weniger Bewerber. Aber Mrowiec sieht noch einen anderen Grund für die Nachwuchs-Misere im Umkreis: "Wir bekommen die Lehrlinge nicht mehr in die Betriebe auf den Dörfern. Obwohl gerade dort auch sehr gute Ausbilder zu finden sind - bestens ausgestattet und mit viel Potenzial." Doch die schlechte Infrastruktur mache diesen Handwerkern einen Strich durch die Rechnung. "In einer Stadt wie Hagenow oder Ludwigslust ist eben doch alles besser mit dem Bus oder Fahrrad zu erreichen", so Mrowiec. Doch auch dort gibt es Nachwuchssorgen, wie es der Hagenower Elektromeister Christian Jessel beschreibt. Im letzten Jahr schon hat er niemanden gefunden für die ein bis zwei Lehrstellen, die er eigentlich jedes Jahr besetzt. Für dieses Jahr hofft er noch auf geeignete Bewerber. Bislang hält sich allerdings auch bei ihm die Nachfrage von Schulabgängern in Grenzen. Und das, obwohl die Aussichten für Auszubildende bei ihm ganz gut sind. "Wir bilden für unser Unternehmen aus", sagt Jessel, der damit die unbefristeten Verträge nach Abschluss der Lehre anspricht. Doch gerade sein Gewerk verlange dem Nachwuchs immer mehr ab, weshalb der Elektromeister auch keine Abstriche bei der Leistung potenzieller Mitarbeiter machen könne. So verschärfe sich der Wettbewerb um gute Lehrlinge immer mehr, sagt auch Kreishandwerksmeister Mrowiec. Dazu gehöre nicht nur das Werben auf Berufsmessen oder in Schulen. Tariflicher Lohn und kostenlose Betriebswohnungen seien weitere Anreize, die Handwerksbetriebe anböten.

Die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Schwerin enthält Angebote in 46 Handwerksberufen vom Augenoptiker bis zum Zimmerer. Den größten Bedarf gibt es bei Elektronikern, Metallbauern, Kfz-Mechatronikern und Anlagenmechanikern. 360 freie Ausbildungsplätze für 2012 sowie Praktika in Handwerksbetrieben sind unter www.hwk-schwerin.de zu finden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen