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Hoffnung in Stralsund : Kauft Jussufow auch die P+S-Werft?

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Neue Hoffnung für die ehemalige Volkswerft in Stralsund. Es gibt mindestens zwei konkrete Interessenten für den vor einem Jahr pleitegegangenen Schiffbaubetrieb. Bertold Brinkmann ist zuversichtlich.

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 07:38 Uhr

Stralsund | Neue Hoffnung für die ehemalige Volkswerft in Stralsund. Es gibt mindestens zwei konkrete Interessenten für den vor einem Jahr pleitegegangenen Schiffbaubetrieb. Der Insolvenzverwalter Bertold Brinkmann ist zuversichtlich, den bislang als P+S-Werft firmierenden Betrieb noch in diesem Jahr verkaufen zu können. Möglicherweise falle die Entscheidung bereits Ende Oktober, sagte Brinkmann gestern nach einer Gläubigerversammlung in Schwerin. Sein Ziel sei es, mittelfristig 500 Arbeitsplätze auf der Werft zu erhalten. Garantieren kann der Insolvenzverwalter dies aber nicht. Ein Vertreter der IG-Metall sagte, eine Beschäftigung von 500 Mitarbeitern sei eine "realistische" Möglichkeit. Er habe "deutlich mehr als zwei Angebote" zur Übernahme der Werft vorliegen, so Brinkmann. Das sei mehr, als er vor wenigen Monaten noch zu hoffen wagte. Allerdings müssten alle Interessenten ihre Angebote noch konkretisieren, damit mit ihnen weiterverhandelt werden könne.

Nach Informationen dieser Zeitung hat der russische Eigner der beiden "Nordic-Yards"-Werften in Wismar und Warnemünde, Witalij Jussufow, gestern aus seinem Interesse an der Werft ein verbindliches Angebot gemacht. Die "Nordic Yards"-Werften haben in den vergangenen Jahren vor allem Plattformen für Offshore-Anlagen gefertigt und suchen dem Vernehmen nach Möglichkeiten, ihre Kapazitäten auszuweiten. Im Falle einer Übernahme würde Jussufow 250 anfangs Werftarbeiter beschäftigen, heißt es intern. Später könnten es 500 werden. Wie hoch der Kaufpreis ist, den Jussufow bietet, ist nicht bekannt. Er würde jedoch einen zweistelligen Millionenbetrag in die Werft investieren.

Insolvenzverwalter Brinkmann hat auch ein Angebot zweier Firmen auf dem Tisch, die die Werft für einen Euro kaufen wollen. Die Maritime Beteiligungsgesellschaft (MBG) in Stralsund und die SGP Management Consultants in München haben sich zusammengetan, um die Stralsunder Werft langfristig zum Ausgangspunkt für einen europäischen Werftenverbund zu machen, so Hans-Jörg Schüler. Der Stralsunder Rechtsanwalt vertritt die MBG. Hinter den beiden Firmen stehe unter anderem der französische Marineschiffbaukonzern DCNS. Wer allerdings konkret Gesellschafter der MBG sei, wollte Schüler gestern gegenüber dieser Zeitung noch nicht preisgeben. Nach seinen Angaben sollen sich am Schiffbau interessierte mittelständische Betriebe an der Stralsunder Werft beteiligen können. Außerdem sei eine Beteiligung des Landes im Konzept der MBG vorgesehen.

Als dritter potenzieller Investor ist eine Staatsholding aus der russischen autonomen Republik Tatarstan im Gespräch. Der gebotene Kaufpreis, die Zahl der übernommenen Mitarbeiter und die Finanzierung der Werft seien die wichtigsten Kriterien für den Verkauf, sagte Brinkmann. Außerdem spiele eine Rolle, ob der Käufer auch drei Schiffe fertigstellen würde, die derzeit auf der Werft gebaut werden. Bislang hat Brinkmann für diese von der P+S-Werft angenommenen Aufträge keine unabhängigen Käufer gefunden. Der Weiterbau würde die Arbeiten auf der Werft Februar 2014 sichern. Zurzeit arbeiten auf der Werft rund 500 Schiffbauer. 800 ehemalige Schiffbauer sind in einer Transfergesellschaft untergekommen. 160 von ihnen können hoffen, demnächst von der Werft in Wolgast übernommen zu werden, die seit Anfang Mai zur Lürssen-Gruppe gehört. Den anderen droht Ende Oktober die Arbeitslosigkeit, da der Betrieb der zum großen Teil vom Land finanzierten Transfergesellschaft nicht verlängert werden darf.

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